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Der Autor liest die Philosophie Ludwig Wittgensteins vor dem Hintergrund zentraler Themen von Wittgensteins Leben und nähert sich umgekehrt dessen Leben durch zentrale Motive seiner Philosophie an. Versuche, aus lebensgeschichtlichen Daten theoretische Konklusionen im Hinblick auf ein wissenschaftliches Werk abzuleiten, stehen zu Recht im Verdacht des biographischen Reduktionismus: Aus biographischen Besonderheiten lassen sich keine »Weltbilder« verstehen oder ableiten. Das Problem der »Psychobiographie« ist letztlich immer das einer möglicherweise unzulässigen Vermengung der Ebenen von Genesis und Geltung, was sich meist in der Unmöglichkeit der Vermittlung unterschiedlicher Geltungsbereiche spiegelt. Eben das war - so der Autor - Wittgensteins ursprüngliches logisches Problem. Sein Frühwerk gibt unübersehbare Hinweise darauf, welche Wechselwirkungen zwischen Logik und Leben existieren; seine gesamte Spätphilosophie kann als der Versuch gelesen werden, diesen Zusammenhang zu entschlüsseln. In der Konsequenz ist das ursprünglich rein logisch dargestellte Verhältnis der Sprache als Form sozialer Interaktion, als eine Psychologie sui generis zu begreifen. Die philosophische Revolution des Aufweises und der Analyse des »Sprachspiels« als Grundform alles Denkens ist der bis heute gültige Paradigmenwechsel einer Analyse des sozialen Lebens und Handelns. Deren Reflexivität durch bewusste lebensgeschichtliche Rekursionen auch - und das ist entscheidend - im Werk besticht. Damit eröffnet der Philosoph aus seiner Philosophie einen legitimen Zugang zu seiner Lebensgeschichte als Interpreta tionsschlüssel seines Denkens.