You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die von Max Horkheimer (1895-1973) inaugurierte Kritische Theorie der Gesellschaft ist eines derjenigen Diskursfelder, auf denen sich Psychoanalyse und Philosophie begegnen, durchdringen und kritisch aneinander abarbeiten. Horkheimer ordnete die Freud'sche Theorie - ähnlich auch Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse - geschichtsphilosophisch einer verschwindenden Epoche des Liberalismus zu. Dennoch knüpfte er immer wieder auch gegenwartsbezogen an die Psychoanalyse an. So waren die verschiedenen Autoritarismus-Analysen des Instituts für Sozialforschung nicht ohne Rückgriff auf psychoanalytische Einsichten möglich. Der Beitrag unternimmt eine Rekonstruktion der Grundlinien von Horkheimers Sicht auf die Psychoanalyse und geht in historischer und systematischer Hinsicht der Frage nach, worin ihr »philosophisches Motiv« (Horkheimer), angesichts der bekannten Distanz Freuds gegenüber der Philosophie, bestehen kann. Horkheimer situiert dieses Motiv nicht in möglichen philosophiegeschichtlichen Bezügen der Psychoanalyse, sondern in deren Praxis und Forschung. Denn diese beruhen auf bestimmten »metaphysischen Voraussetzungen«: den Annahmen von Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit.