You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Was kann linke Theorie von der Psychoanalyse lernen? Eigentlich schien die Diskussion um eine linke Aneignung der Theorie Freuds schon lange vorbei. Wilhelm Reich wurde in den 1930ern - noch von Freud persönlich - aus der IPV ausgeschlossen, in Frankreich wandten sich seine poststrukturalistischen Schüler gegen den Strukturalisten Lacan und verabschiedeten sich zugleich von der Psychoanalyse, und die in Deutschland in der Nachkriegszeit vor allem von der ersten Generation der Frankfurter Schule getragene linke Rezeption geriet bei deren Nachfolgern Habermas und Honneth in den Hintergrund. Vereinzelt wird aber immer wieder auf die Bedeutung der Psychoanalyse für Soziologie und Sozialphilosophie hingewiesen. So auch von Hans-Ernst Schiller, der jetzt eine Überblicksdarstellung der »Freud-Kritik von links« vorgelegt hat.
Das Buch ist zugleich Primär- wie Sekundärliteratur: Einerseits werden linke Freud-Kritiker porträtiert, andererseits werden in Exkursen deren Ansätze weiterverfolgt: Etwa im beachtenswerten Kapitel zur Dialektik des Unbewussten, das kompakt die Dynamik dieses psychoanalytischen Schlüsselbegriffs zeigt und schließlich auf die Strukturen von Sprache und Gesellschaft bezieht (S. 158ff.). Oder die für die Gesellschaftskritik instruktive Skizze einer politischen Philosophie des Gefühls (S. 48ff.): Gerade hier ist er voll auf der Höhe der Zeit, wenn es etwa um die mediale Vernutzung von Emotionen und Affekten geht.
Zentral ist aber die Darlegung der Rezeption von Freuds Theorie durch fünf Vertreter der undogmatischen Linken des 20. Jahrhunderts. Neben den Vertretern der Kritischen Theorie - Erich Fromm, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse - ist ein Kapitel auch dem Philosophen Ernst Bloch gewidmet. Das verwundert, denn Schiller selbst hält Blochs Freud-Interpretation für ein einziges großes Missverständnis, sie schwanke zwischen »Ignoranz« und »Unbekümmertheit« (S. 40). Zwar konstatiert er eine Einigkeit zwischen dem Unbewussten Freuds und d