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Seit beinahe drei Jahrzehnten erkundet Jonathan Lear in einer Vielzahl an Veröffentlichungen die Erträge seiner doppelten Profession als Philosoph und Psychoanalytiker. Der Band Wisdom Won from Illness nimmt hier eine Sonderposition ein. Er beinhaltet eine Zusammenstellung von Aufsätzen, die einen komprimierten Überblick über Lears interdisziplinäre Theoriebildung im Ganzen vermittelt. Lear folgt darin einer Vorgabe aus seinem Buch Open Minded aus dem Jahr 1998: »Mir geht es weniger darum, den Leser von einer bestimmten These zu überzeugen, als darum, verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, wie philosophische und psychoanalytische Fragen mit Lebendigkeit und Offenheit verfolgt werden können « (Lear 1998, S. 15; Übers. F.P.).
Wisdom Won from Illness, für das man sich ebenso wie für Lears andere Werke eine Übertragung ins Deutsche wünscht, präsentiert eine umfangreiche Theoriebildung auf Basis dieser Grundidee: Lear widmet sich der performativen Freilegung eines ethischen Denkens, das den Menschen befähigt, psychisch selbstwirksam zu werden und die Integrität seiner heterogenen Seele zu befördern. Im Zentrum steht dabei die Vorstellung einer fundamentalen Verletzlichkeit des Menschen, die angeeignet und verarbeitet werden kann. Als Scharnier zwischen traumatischen Verletzungserfahrungen und einem progressiven Selbstverständnis dient die Ironie.
In der Vermittlung des subjektiven Bewältigungsprozesses eröffnet Lear dem Leser die Möglichkeit, die Potentiale eines ethischen Denkens als ironische