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Schon das Titelblatt wirft ein paar Fragen auf. Auf Populismus folgt Paranoia und auf Paranoia Pogrom - aber wie sehen die funktionalen Zusammenhänge aus? »Affekterbschaften des Nationalsozialismus« - welche Affekte, und wie verhalten diese sich zu Kognition? Vorstellungen - etwa von Verfolgern und Verrätern - bestimmen die Paranoia. Welche Affekte tragen die Aggression des Pogroms? Wie gewinnen sie Motivationskraft? Wie vererben sich Affekte? Ist der Nationalsozialismus ein tauglicher Erblasser? Wie leisten vergangene Pogrome, Paranoia und nationalsozialistischer Populismus neuem Populismus Vorschub? Das Bild zeigt einen kopflosen Menschen, eine ausdruckslose Maske unter dem Arm tragend, wie ein Fechterhelm. Keine Maske, die er (oder sie) fallen ließ. Nadelstreifenanzug, Handschuhe, rotes Halstuch. Wessen Gesicht war maskiert? Eher das eines intellektuellen Drahtziehers oder Schreibtischtäters als das eines Brandstifters.
Der Band eint 15 Beiträge einer Tagung der Initiative 9. November mit Sitz im Bunker am Platz einer 1938 zerstörten Synagoge in Frankfurt (Leuschner-Gafga, S. 189 ff.). Klar, dass der Band eine geschlossene Theorie von Populismus, Paranoia und Pogrom weder liefert noch verspricht - doch Teile, stabile Bausteine durchaus. Mit Gebauers Atikel »Was tun?« und dem Thema der »Schiefheilung« als Pogrom-Effekt (Lohl, S. 148; Uhlig, S. 161), gesellt sich den theoretischen die praktische Frage zu: Was tun, damit Paranoia nicht aufkommt oder geheilt wird?
In dem Buch ist nur von »Rechtspopulismus« die Rede. Führt Linkspopulismus zu »Links-Paranoia« und »Links-Pogromen«? Oder heilt er?
Ohne Affekte kein Pogrom, doch auch nicht ohne Vorstellungen (»Ideologien«) bedrohlicher und gefährlicher Objekte, die Angriffsobjekte bestimmen, den »Erbgang« vermitteln und die aggressionstreibenden Affekte wenn nicht hervorrufen, so doch bündeln: Antisemitismus (Becker-Schmidt, S. 103 ff.; Uhlig, S. 155 ff.), Antiziganismus (Brenner, S. 45 ff.) Rassismus wird behandelt, nicht a