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Feldman führt seinen Patienten Aaron mit einer ausdrucksstarken Szene ein: Ein junger Künstler auf Tournee in Warschau, getrieben, überarbeitet und so schlecht versorgt, dass er sich von Essensresten im Hotel ernährt. Dass diese Not in einer Videostunde über den Atlantik hinweg zur Sprache kommt und der Patient meist versucht, seine Lage wegzuwitzeln, verstärkt das Bild einer desolaten Verlorenheit. Ich merke, wie mich diese Unbehaustheit des Patienten affiziert, und denke an die Telefonstunden mit einer Patientin, die in eine andere Stadt gezogen war. Bevor sie dort eine Wohnung gefunden hatte, rief sie von verschiedenen Orten aus an - vom Café, von Freunden, manchmal aus einer Telefonzelle. Ich hatte immer das Bedürfnis, sie mit der Frage »Wo sind Sie?« zunächst einmal zu verorten, bevor wir mit dem Gespräch begannen. Erst als ich sie an einem festen, eigenen Ort in der Stadt wusste, spürte ich, dass ich sicherer wurde und auch ihr besser Halt geben konnte.
Mit seiner Rastlosigkeit zieht Aaron seinem Analytiker immer wieder den Boden der Beziehung unter den Füßen weg und destabilisiert dessen Fähigkeit, ihm Halt zu geben. Aus dieser Dynamik zwischen einem sich permanent auf der Flucht befindenden Patienten und einem Analytiker, der dessen manisch abgewehrte Verwirrung, Scham und Verlassenheit aufgedrückt bekommt, resultiert der Versuch, den in Warschau herumirrenden Patienten mit einer »rausgehauenen« Deutung zu erreichen: »Sie sind ein jüdischer Junge in Warschau und haben nichts zu essen. Vielleicht geht es um noch etwas anderes!« (S. 182)
Die Deutung verbindet Aarons Zustand mit der Geschichte des Holocaust und verweist auf die zentrale These von Feldmans Arbeit, nach der sich die Wechselwirkung zwischen verleugneten persönlich-familiären und historisch-gesellschaftlichen Traumatisierungen in der Eltern- und Großelterngeneration als unverstandene »Gespenster« im Leben der Kinder und Enkelkinder zeigt. Im analytischen Prozess kommen diese Gespenster als agierte Re