You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ich möchte Ihnen ohne Umschweife sagen, was mich an Michael Feldmans Beitrag fasziniert. Deshalb verzichte ich auf die üblichen (wiewohl in hohem Maß angebrachten) lobenden Worte über die Arbeit, auf den liebenswürdigen Dank für die Einladung, sie zu diskutieren, und komme gleich zur Sache. Mich fasziniert die Fähigkeit des Autors, sich intensiv auf das Narrativ einzulassen und gleichzeitig die notwendige Distanz zu ihm zu wahren. Wenn man Feldmans Arbeit zu lesen beginnt, glaubt man - so wie es auch dem Autor selbst erging, als Aaron zu ihm in Behandlung kam -, es mit einer Geschichte über den Holocaust, über Vernichtung und Antisemitismus zu tun zu haben. In der amerikanischen Psychoanalyse ist dieses Thema zu einer Art Urgeschichte des Traumas und der intergenerationellen Transmission geworden, in der grauenvolle, tragische Einzelheiten menschlichen Leidens versammelt sind. Dass Feldman einen Teil der Geschichte in Warschau lokalisiert, weckt Assoziationen zum Warschauer Ghetto, zum Hunger seiner Bewohner und zur Ermordung des dort zuvor in brutaler Gefangenschaft lebenden Volkes. Seine Idee, vorsorglich ein Glas Erdnussbutter einzupacken, erinnert ihn an die panische Angst früherer Generationen vor dem Hungertod.
Als ich den Text zu lesen begann, war ich innerlich auf diese Geschichte der Vernichtung eingestellt. Meine Gedanken wandten sich sogleich dem Todestrieb zu, den Freud nach der Behandlung von Veteranen des Ersten Weltkriegs postuliert hatte, deren Symptome (z. B. das Wiederholen) nicht mit der Funktionsweise des Lustprinzips vereinbar waren. Es ist eine der grausamsten Ironien der Psychoanalyse, dass wir die Existenz dieser Kraft weiterhin anzweifeln, obwohl wir heute kaum besser als damals in der Lage sind, die Gemetzel und Blutbäder des letzten Jahrhunderts wirklich zu erfassen. Gleichwohl rekapituliert die Debatte zwei wesentliche Funktionen des Todestriebs, wie Freud (1920g) ihn definiert hat: als Wiederholung früherer Erfahrungen, in diesem Fall die