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Bei meinem wiederholten Lesen von Michael J. Feldmans beeindruckender Falldarstellung tauchten immer wieder neue Facetten und Zusammenhänge auf. Ich möchte versuchen, das mir wesentlich Erscheinende in folgende Themenbereiche zusammenzufassen:
der Rahmen der psychoanalytisch-psychotherapeutischen Therapie und die Position des Analytikers
die libidinöse Übertragung
das Schließen und das Umgehen von Lücken
die Entwicklung von Geistern und Zeugen.
Der Arbeit ist ein Motto vorangestellt, das auf das transgenerationelle Trauma verweist: »Nicht die Toten verfolgen uns, sondern die Lücken, die die Geheimnisse anderer in uns hinterlassen.« Hier wird zwar in das Subjekt, in dem die Lücken entstehen, etwas hereingeholt, aber was als verursachende Aktivität angesehen wird - die Geheimhaltung durch andere - bleibt draußen. Entsprechend ist auch in der Fallgeschichte die innere Verarbeitung noch unvollständig, doch erstmals wurde ein Zugang geschaffen, der aus Zwang und Wiederholung herauszuführen verspricht. Das Motto setzt den Akzent auf ein Fremdverschulden: Andere haben versäumt, dem Kind zu geben, was es braucht, mag es sich dabei um Nahrung oder eine Verstehensmöglichkeit handeln, die durch Geheimnisse verhindert wird.
Der Autor beginnt mit einer Szene, die den Leser sofort aus der sicheren zeitlichen Orientierung löst: Erfolgte der geschilderte Anruf aus Warschau als erster Kontakt des Patienten mit dem Analytiker oder bereits im Verlauf der Behandlung? Wurden von Anfang an alternierend Sitzungen in persona und per Skype vereinbart, oder gehörten Anrufe zum Agieren des Patienten? Die Irritation wächst mit dem ersten Satz des Analytikers, der dem Patienten telefonisch auf den Kopf zusagt: »Sie sind ein jüdischer Junge in Warschau und haben nichts zu essen. Vielleicht geht es um noch etwas anderes!« Es ist eine verblüffende Deutung, die die Aufmerksamkeit des jungen Mannes