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»Abgeschnitten von der Vergangenheit wird die Gegenwart zu einer Wüste und die Zukunft unvorstellbar.«
Der polnische Charme, die polnische Höflichkeit - sie kommen aus alten Zeiten und haben sich dennoch durchgehalten. Fast durchgehalten, denn auf der Tagung »Psychoanalyse im Schatten des Holocaust«, die die International Psychoanalytic University Berlin zusammen mit der Pädagogischen Universität Krakau veranstaltet hat, verteilten die polnischen Analytiker keine Handküsse mehr. Ist es die heutige Mainstream-Korrektheit, oder ist auch die alte polnische Höflichkeit verätzt durch den »Zivilisationsbruch« des Holocaust (Dan Diner), wie Tadeusz Borowski sie in Bei uns in Auschwitz apostrophiert: »Bitte die Herrschaften zum Gas«?
Einige polnische Schriftsteller waren, wie es sich für Dichter gehört, in ihren Zeitdiagnosen stets auf der Höhe der Zeit. Witkacy glaubt in seinem Roman Ungewaschene Seelen von 1936 z. B. an die emanzipatorische Kraft der Psychoanalyse. Er ist der Meinung: »Die Kenntnis der Theorie Freuds ist eine heilige Pflicht für jeden Gebildeten.« Borowski habe - schreibt Paweł Dybel von der Pädagogischen Universität Krakau, einer der großen Köpfe der philosophischen Betrachtung der Psychoanalyse, in einem sehr lesenswerten Beitrag über die Psychoanalyse in Polen (Dybel 2014) - als erster in seinen »Erzählungen aus Auschwitz« (auf Deutsch: Bei uns in Auschwitz) Phänomene der Dissoziation und des Muselmann-Syndroms beschrieben. Er war für Imre Kertész Vorbild als einer der ersten authentischen Quellen, in denen das Leben im Konzentrationslager auf eine »klare und selbstquälerisch gnadenlose Weise beschrieben wird«. Und wer Gombrowicz' Tagebücher liest, kann sich einen ganzen Berg von Literatur über die polnische Seele im vorletzten und letzten Jahrhundert ersparen.
Allerdings hatten nicht alle diese Klarsicht. Die romantischen Schriftsteller, vor allem Mickiewicz mit seinem Pan Tadeusz, waren nicht unschu