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Theodor W. Adornos umfassendes Interesse an der Psychoanalyse ergab sich stets aus der Perspektive einer Theorie der Gesellschaft. Zu deren Grundgedanken gehört, einerseits der Ökonomie den Primat der Strukturierung so zialen, politischen und kulturellen Geschehens zuzuweisen. Andererseits setzte Adorno beim Individuum an, um den freiheitlichen Gegenentwurf zu einer Gesellschaft, deren Struktur aus diesem Primat des Ökonomischen resultiert, wenngleich als Negation zu konzipieren. Im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verhieß die Psychoanalyse, im Blick zu behalten, dass es die von allen Seiten her auf die Subjekte zugreifende ökonomische Entwicklung ist, die deren Emanzipation zunichte werden lässt.
Dieses bestimmte, gesellschaftstheoretisch akzentuierte Interesse an der Psychoanalyse macht Wolfgang Bock in seinem umfassenden Werk mit dem vielversprechenden Obertitel Dialektische Psychologie (Bock 2018) deutlicher sichtbar, als mancher glauben mag, der Adornos Aufsatz »Die revidierte Psycho analyse« von 1952 (Adorno 1972a) liest. Bock sondiert publizierte und nicht publizierte Zeugnisse und Hinweise zu Adornos Vorhaben einer »dialektischen Psychologie«. Er verknüpft die durch Hegel und Marx geprägte sozialphilosophische Aufbereitung der psychoanalytischen Metapsychologie mit biographischen Daten aus Adornos Schaffenszeit. Begleitet von beeindruckendem, teilweise nur schwer zugänglichem Detailwissen, bezieht er in seine Rekonstruktion der Anfänge des sich heutzutage als »Analytische Sozialpsychologie« etablie ren den Gebiets dessen anfängliche Vertreter ein, darunter Ernst Simmel, Else Frenkel-Brunswik, Leo Löwenthal, Karl Landauer, Franz Alexander und insbesondere Erich Fromm, auf den bekanntlich die Gebietsbezeichnung »Analytische Sozialpsychologie« zurückgeht (Fromm 1932). Fromms empirische Untersuchung über »German Workers 1929 - A Survey, its Methods and Results« (vgl. Fromm 1980, S. 4) und die Vorarbeiten zu »Autorität und Familie«, dem 1936 erschienenen