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Didier Eribon, französischer Soziologe und Philosoph, ist gegenwärtig einer der prominentesten Stimmen der politischen Linken in Frankreich. Seine Bücher, insbesondere die bereits in zweistelliger Auflage vorliegende deutsche Übersetzung von Retour à Reims, sind auch in Deutschland zu Bestsellern geworden. Sowohl in Rückkehr nach Reims als auch im kurz danach erschienenen Buch Gesellschaft als Urteil tut Eribon in scharfem Ton seine Ablehnung der Psychoanalyse kund. Diese Ablehnung ist grundsätzlich und pauschal und adressiert die Psychoanalyse ohne Differenzierung als Ganzes; Eribon hat diese Ablehnung bereits zum Gegenstand einer eigenen Darstellung mit dem sprechenden Titel Der Psychoanalyse entkommen (2017) gemacht.
In der Psychoanalyse sieht Eribon nicht lediglich einen anderen, benachbarten Fachdiskurs, sondern ein disziplinäres Konkurrenzunternehmen, das seine eigenen theoretischen und politischen Ansprüche einer soziologischen Introspektion untergräbt, in deren epistemologischem Zentrum das Forschungssubjekt, das Ich des Forschenden steht. Hierin folgt Eribon den Spuren von Pierre Bourdieu, dessen konzeptioneller Einfluss sich durch beide Bücher zieht. Bourdieu hatte seiner soziologischen Praxis eine rigorose Objektivierungsarbeit auferlegt: Der Soziologe habe stets seine Rolle als Objektivierer zu vergegenwärtigen, der seinerseits objektiviert werden müsse; diese Form der Sozioanalyse, wonach die Analysen, in denen die soziale Welt objektiviert wird, auf den Forschenden selbst anzuwenden seien, nennt Bourdieu in expliziter Anspielung auf die Psychoanalyse »Anamnesearbeit«. Während Bourdieu Sozioanalyse aber als wissenschaftstheoretische Grundprämisse verstanden wissen wollte, um die wissenschaftliche Erkenntnis freizulegen und im Zuge dessen alle alltäglichen Bedeutungselemente und Spontangewissheiten abzuschütteln, erweitert Eribon diesen Ansatz zu einer allgemeinen (nicht nur auf das Wissenschaftssubjekt eingeschränkten) soziologischen Theorie des Subjekts