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Welch ein erfrischender und origineller Beitrag, der vieles von dem, was im Bereich von Geschlecht und Sexualität für selbstverständlich gehalten wird, durcheinanderwirbelt und ausgetretene Pfade verlässt! Der American Psychoanalytic Association (APsaA) ist zu gratulieren, dass sie diesen Aufsatz mit dem Ralf Roughton Award 2015 ausgezeichnet hat. Diese Ehrung zeigt, wie unterschiedlich der Diskurs über Sexualität und Geschlecht im nordamerikanischen und deutschen Sprachraum ist. Doch auch der Zeitschrift Psyche ist zu danken, dass sie die neueren Entwicklungen aus den USA aufgreift und in den deutschsprachigen Diskurs einführt.
Innovativ erscheint mir der Beitrag vor allem in theoretischer und konzeptioneller Hinsicht. Hier bietet er Ideen und Ansatzpunkte an, die Freuds bahnbrechendes Konzept der konstitutionellen Bisexualität weiterdenken und sich zu einem nicht-binären, nicht-normativen psychoanalytischen Verständnis vom Geschlecht ausbauen lassen, das den unbewussten (Körper-)Phantasien zentrale Bedeutung beimisst. Hinzuzufügen ist allerdings, dass der Beitrag einen solchen theoretischen Anspruch vermutlich gar nicht erhebt, da er sich - wenn überhaupt - nur eher kursorisch mit der entsprechenden theoretischen Literatur auseinandersetzt. Dadurch bleiben interessante, vielversprechende Gedanken vage und verlassen kaum den Status von Behauptungen, die nicht weiter ausgeführt werden. Zentralen Stellenwert in Hansburys Beitrag erhält nicht das Argument, sondern eine Fallgeschichte. Wie Fallgeschichten allgemein besitzt diese jedoch bestenfalls illustrierenden und keineswegs begründenden Charakter. Und in der Fallgeschichte zeigt sich eine spezifische - und wie ich finde, nicht unproblematische - Art des klinischen Arbeitens, das sich weit vom klassischen Verständnis der Analyse unbewusster Phantasien und Begehrensstrukturen entfernt hat.
Doch bevor ich konkreter auf die Arbeit von Hansbury und die Möglichkeiten zur weiteren Theorieentwicklung eingehe, die sich daraus