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Mitunter ist es unübersehbar: Ein Kollege benimmt sich neuerdings seltsam, eine Kollegin roch beim letzten Treffen deutlich nach Alkohol, am Institut kursieren Gerüchte, dass ein Kollege seine Patienten vernachlässige. Leicht entsteht dann eine seltsame Befangenheit, man weiß nicht recht, wie man reagieren soll. Auch Analytiker geraten in Krisen, werden krank, altern und sind ihren beruflichen Verpflichtungen aus verschiedenen Gründen manchmal vorübergehend, manchmal dauerhaft nicht (mehr) gewachsen.
Seit einiger Zeit gibt es Bemühungen (siehe Junkers 2013, 2018), die Aufmerksamkeit auf das Thema des Älterwerdens und Sterbenmüssens zu lenken. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema geschieht aber nur widerwillig und zögerlich, und es scheint in unserer Profession die unbewusste Erwartung vorzuherrschen, es könne und werde »immer alles so weitergehen«: Man werde mit der Zeit immer besser und könne deshalb bis ins hohe Alter gut weiterarbeiten. Dass dies der Realität gelegentlich entsprechen kann, es aber auch zu auffälligen Idiosynkrasien kommt, möchten Analytiker oft nur schwer anerkennen. Die Erzählung französischer Kollegen, der Tod eines im Sessel hinter der Couch gestorbenen Kollegen sei dem Analysanden zunächst gar nicht aufgefallen, weil er »in den Sitzungen nie viel gesprochen« habe, zeugt davon.
Altern ist aber nicht das einzige Problem, das zu Einschränkungen in der Qualität der Arbeit führen kann. Auch Krankheiten, Trauerfälle, Trennungen, Vereinsamung, Sucht bringen Analytiker aus der Bahn. Für den Umgang mit ethischem Fehlverhalten haben die psychoanalytischen Fachgesellschaften in den vergangenen zwanzig Jahren nach und nach gut funktionierende Strukturen geschaffen. Für die oben skizzierten Schwierigkeiten gibt es hierzulande aber noch keine Entsprechung.
In der American Psychoanalytic Association sind Komitees eingerichtet worden, die in solchen Situationen ansprechbar sind und Hilfe anbieten können. Von den Erfahrungen dieser Komitees berichten die Auto