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»[D]enn unsere Hilfsvorstellungen fallen zu lassen, müssen wir immer bereit sein, wenn wir uns in der Lage glauben, sie durch etwas anderes zu ersetzen, was der unbekannten Wirklichkeit besser angenähert ist«, schreibt Freud im 7. Kapitel seiner Traumdeutung, in dem er seine Psychologie der unbewussten Prozesse entwickelt, die in ihren Grundlagen bis heute in der Psychoanalyse Bestand hat. Diese Worte markieren einen guten Ausgangspunkt für einen Zugang zu den Arbeiten von Ulrich Moser. Ausgehend von den klassischen psychoanalytischen Modellen hat er seine Überlegungen mit Mut zu eigenem Denken in eigener Sprache weiterentwickelt zu einer neuen und zeitgemäßen Theorie unbewusster mentaler Prozesse. Dabei ist es entscheidend, dass dieses Denken und diese Sprache ihre Konzepte, Modelle und Begriffe nicht nur aus der Psychoanalyse schöpfen, sondern auch Anleihen nehmen aus Entwicklungspsychologie, Affektforschung, Kognitions- und Informationswissenschaften sowie der artificial intelligence und deren Befunde in einer »Theorie der Mikrowelten« integrieren. Moser ist ein »Modellbauer«, einer von den dringend benötigten Forschern, die das akkumulierte Wissen ihrer Disziplin sichten und in neuen, der »unbekannten Wirklichkeit besser angenäherten« Modellen und Konzepten ordnen und dadurch unser Verständnis für diese Wirklichkeit erweitern. Moser hat so im Laufe der Jahre eine Affekttheorie sowie Theorien des Wahns und der Abwehrprozesse vorgelegt, die durch die »Mikroweltentheorie« verklammert sind und in deren Mittelpunkt kognitiv-affektive Regulierungsvorgänge stehen. Bekannt geworden ist er besonders durch sein Traumgenerierungsmodell und das daraus abgeleitete Codiersystem zur objektiven Erfassung und Beschreibung von Traumphänomenen und deren Verläufen, wie es von Moser und Vera Hortig zuletzt in ihrem 2019 erschienenen Buch Mikrowelt Traum. Affektregulierung und Reflexion dargestellt wurde.
Auch das Buch Frühe Störungen, Mikrowelten und Beziehungsregulierung. Fragmente