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Der Autor entwirft eine zeitdiagnostische Analyse der digitalen Moderne, in der sich mit der sozialen Lebenswelt auch das Seelenleben der Menschen verändert. Gegen einen modernekritischen, auch in der Psychoanalyse verbreiteten Kulturpessimismus wird auf das Neue verwiesen, das in der globalisierten Mediengesellschaft entsteht und verstanden werden will: ein Strukturwandel der Öffentlichkeit, der den medialen Narzissmus demokratisiert und ein Strukturwandel des Seelenlebens, in dessen Verlauf sich die zeitgenössische Psyche modernisiert. In einem Rückblick wird die Geschichte der Theorie vom Sozialcharakter nachgezeichnet, der sich im 20. Jahrhundert von der neurasthenischen Persönlichkeit über den autoritären Charakter bis zum narzisstischen Sozialisationstyp gewandelt hat. Diese zeitdiagnostische Tradition einer engen Verbindung von Psycho- und Soziopathologie setzt sich im 21. Jahrhundert fort. Unter Verwendung von Winnicotts Paradoxien des Selbst wird schließlich aus den Phänomenen der Gegenwartskultur eine mediale Identitätsformel herauspräpariert, die an eine entwicklungspsychologische Identitätsformel andocken kann: Ich werde gesehen, also bin ich.