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Die Autorin liest Alexander und Margarete Mitscherlichs Buch »Die Unfähigkeit zu trauern« als verstörende historisch-psychologische Zeitdiagnose. Sie untersucht zunächst, welche Vorgänge die Mitscherlichs aus den politischen, sozialen und ökonomischen Lebensverhältnissen ihrer Zeit aufgriffen und welche Sachverhalte sie daran irritierten, so dass sie sie zum Gegenstand ihrer auf Psychisches zielenden Analyse machten. Anschließend zeigt sie, wie die Autoren ihre Hypothese über das unverhältnismäßig fragmentarische Geschichtsbewusstsein ihrer Zeit und das zugrunde liegende Geschehen während des Nationalsozialismus durch psychohistorische Aussagen über das »Untertanenbewußtsein« der Deutschen untermauerten. So wird es möglich, die zeitdiagnostisch mehrschichtige Interpretation psychischer Reaktionen der Abwehr, die die Mitscherlichs vornehmen (Derealisation, Verleugnung, Verdrängung), einem allgemeineren zeitdiagnostischen Muster zuzuordnen. Aus dieser Sicht erweisen sich Akzeptanz ebenso wie negative, teilweise ins Absurde gesteigerte Kritik an der »Unfähigkeit zu trauern« als beteiligt an der Verzerrung historischer Wahrheit.