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In »Die Unfähigkeit zu trauern« von Alexander und Margarete Mitscherlich, 1967 erschienen, sind neuere Erkenntnisse der historischen NS-Forschung vorweggenommen, die Ausmaß und Motive der Identifikation mit dem Nationalsozialismus belegen. Die emotionale Bindungskraft des Nationalsozialismus anzuerkennen war, wie ein Rückblick auf die NS-Forschung belegt, für Jahrzehnte nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der wissenschaftlichen Erforschung der NS-Zeit durch Schuldabwehr behindert. Die frühe Einsicht in die emotionalen Bindungen an das NS-Projekt wird Alexander und Margarete Mitscherlich durch ihre selbstkritische Reflexion der eigenen Abwehrwünsche möglich. Sie schildern die aktive Partizipation und moralische Mitverantwortung für die NS-Verbrechen, bewegen sich aber auch immer wieder in Richtung der Fremdherrschafts-These der NS-Diktatur, die die Volksgenossen als passiv Unterworfene entschuldigt. Mit großer Klarsicht beschreiben sie den Erfolg des wichtigsten Angebotes des NS-Regimes: die »Lust aus dem Agieren infantiler Omnipotenzphantasien« in der rassistischen Konzeption des deutschen »Herrenmenschen«, der zu manischer und gewalttätiger Entgrenzung berechtigt ist.