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Das Buch mit dem schillernden Titel Ein deutsches Mädchen führt uns über 18 Kapitel durch die Erzählung einer jungen Frau, die in der Bundesrepublik Deutschland unter Nazis aufwächst und bis zu ihrem 18. Lebensjahr ein Leben nur unter Nazis führt, bis sie den Neonazi und Liedermacher Felix kennenlernt, sich in ihn verliebt und schließlich mit ihm zusammen beschließt, ein neues Leben zu beginnen. Heidi Benneckenstein schreibt, sie sei damit »ein zweites Mal auf die Welt gekommen« (S. 9). In ihrem ersten Leben sei sie »in einer Parallelwelt verheddert gewesen« (S. 14). »Der Weg raus aus diesem Milieu, weg von diesen Menschen, weg von einem Teil meiner Familie und schließlich weg von sich selbst war schmerzhaft und dauerte mehrere Jahre«, schreibt sie, und: Sie wolle mit sich »ins Reine« kommen, »Bekenntnis ablegen« (S. 17): »Ich war ein Nazimädchen« (S. 14).
Als antijüdisch, Anti-Knoblauch und Anti-Kaugummikauer beschreibt Benneckenstein, geborene Redeker, ihre Großmutter väterlicherseits (S. 23). Letztere legte Wert auf Deutschtum; von ihren Enkeln erwartete sie »Gehorsam«, »Anstand« und »Perfektion« (S. 24). Dabei war die Großmutter selbst gar nicht so anständig. Ihre Sprüche, so Benneckenstein, wirkten oft »bissig« und »gemein«. Die Großmutter habe einen ständig »vor den Kopf gestoßen« (S. 23). Benneckensteins Vater hat die von Ressentiments gesättigte Welt seiner Mutter verinnerlicht: »Wahrscheinlich hat er die Parolen erst nachgeplappert und dann selbst geglaubt« (S. 24). Heidis Vater war nun Anti-Coca Cola, Anti-Konsum und Anti-Hip Hop, den er als »Kaffernmusik« abtat, hörte aber schon auch mal Bob Marley (S. 26). »Er teilte gern aus, jeder war mal an der Reihe«, schreibt Benneckenstein. »Und alle lachten mit oder taten nur so, um nicht selbst in die Schusslinie zu geraten« (S. 31). »Überhaupt sei »die Lieblosigkeit« ein Erziehungsprogramm des Vaters gewesen, »eine ausgeklügelte Methode, um uns abzuhärten und auf ein Leben in feindlicher Umgebung vorzubereiten««