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Den Literaturwissenschaftler und Spezialisten für Liminales, unscharfe Grenzbereiche und unterbestimmte Übergangsräume, Achim Geisenhanslüke von der Goethe-Universität Frankfurt, kümmert die zunehmende Verbreitung von Wolfsrudeln in Deutschland eher weniger. Sein Augenmerk gilt dem Phantasmatischen und Irrationalen, dem Gemisch aus »Angst und Faszination« (S. 11), das seit jeher das Verhältnis von Mensch und Wolf prägt. In seinem schmalen Büchlein Wolfsmänner. Zur Geschichte einer schwierigen Figur spürt der Autor diesem ambivalenten Verhältnis in literarischen, theoretischen, popkulturellen und filmischen Medien nach.
Die Psychoanalyse ist ihm in seiner Untersuchung nicht nur eine treue Begleiterin, weil sie mit den von ihr herausgearbeiteten Konzepten, darunter »Projektion und Totemismus« (S. 12), einen Beitrag zur Entstehung und Erklärung des Wolfsmythos geleistet hat. Mit seiner 1918 erschienenen Fallgeschichte über Sergej Pankejeff, besser bekannt unter dem Pseudonym »der Wolfsmann«, habe Freud vielmehr selbst einen modernen Mythos »im Zeichen des Wolfes« begründet (S. 12). Das Freud’sche Verfahren, die Wölfe gleichsam zum Sprechen zu bringen und mit Deutungen zu zivilisieren, hat gleichwohl vehemente Opponenten auf den Plan gerufen. Die beiden Postmodernisten Deleuze und Guattari etwa forderten gar ein Devenir-loup, eine emphatische Verwandlung in Wölfe also, um sich auf diese Weise dem logozentrischen Anspruch der Psychoanalyse zu entziehen. Statt programmatischen Desublimierungsbeschwörungen das Wort zu reden, versucht Geisenhanslüke unaufgeregt, aber mit Gespür für Unheimliches, »die Mitte zwischen Angst und Faszination zu halten, um von dort aus einem kulturellen Phantasma nachzugehen, ohne dessen suggestiver Kraft zu verfallen« (S. 13).
Er skizziert damit ein methodisches Lektüreverfahren, das durchaus Verwandtschaften mit dem Konzept der gleichschwebenden Aufmerksamkeit aufweist. In Textdetails liest er Wolfsspuren und verbindet die Bruchstücke kunstvoll m