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Lorenz Wilkens ist ein Theologe, der eine breite philosophische Ausbildung hat und versucht, mit großer Annäherung an die Psychoanalyse gegenwärtige theologische Probleme zu lösen. Mit zwei Zitaten - Genesis 17,7 und Kants Brief an Moses Mendelssohn über dessen Buch Jerusalem - spannt er den weiten Rahmen seines Buches aus: vom Gottesbegriff der hebräischen Bibel bis hin zur europäischen Aufklärung.
Der Verfasser kann sich mit einer der großen Tragödien der Kirchengeschichte nicht abfinden: dem fehlenden Verständnis für das Judentum, die eigene Wurzel, das sich in den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus unumkehrbar vollzogen hat. Um zu analysieren, wie es zu diesem Verschwinden kommen konnte, untersucht er die Psychopathologie der Urkirche und umkreist das Trauma, das zu Verdrängung und Verleugnung geführt hat, gewissermaßen in statu nascendi.
Da es heutzutage kaum noch zählende Theologie gibt - die großen Theologen gehören ins 19. und beginnende 20. Jahrhundert -, darf man gespannt sein, wie ein Theologe von heute, der sich als Reformer, nicht als Zerstörer der Theologie sieht, mit den alten Texten umgeht. Eins wird schon durch den Titel klar: Der »ewige Bund«, das Zitat aus Genesis 17,7, bedeutet nicht etwas Starres, sondern er wandert mit der Geschichte mit. Seine Wanderungen sind eigentlich die Geschichte. Wilkens setzt seinen Akzent auf die Einheit des Bundes - contra die beiden »Testamente«, die die Kirche unterscheidet. Das bedeutet auch, dass er die Geschichtsphilosophie späterer Theologen nicht mitmacht, die die Weltgeschichte in zwei Hälften einteilt: in eine Vorwegnahme der Zeitenwende, ihres Vorlaufs hin zu Christus, dem nach seinem Erscheinen nur noch eine Nachgeschichte als Wiederholung folgt.
Im ersten Teil seines Buches untersucht Wilkens die Spuren und zentralen Motive des christlichen Antijudaismus im Neuen Testament, wobei das Interesse des Autors an den psychopathologischen Elementen der Urkirche, die sie den späteren Kirchen vererbt, das Buch