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Kopftuch, Vollverschleierung, Ausschluss aus dem öffentlichen Leben: Der Islam, vor allem der politische, hat ein strukturelles Problem mit weiblicher Sexualität. Dieses Problem hängt mit einer defizitären Vaterfunktion zusammen - so lautet die Kernaussage eines in seiner ursprünglichen Form bereits 1992 erschienen Buchs von Fethi Benslama. Um dieses Defizit zu fokussieren, untersucht der aus Tunesien stammende, seit 1972 in Frankreich lebende Islamismus-Experte das Alte Testament und den Koran. Seine geduldigen, kenntnisreichen Lektüren einer Reihe von mythischen Überlieferungen der islamischen Theologie machen eines sichtbar: Die Frau hatte für die Entstehung des islamischen Glaubens eine ebenso komplexe wie verkannte Funktion.
Benslama diskutiert die Rolle der Frau im Zusammenhang mit dem Problem der Vaterschaft im Islam. Vaterschaft, so der an Jacques Lacan anknüpfende Ansatz dieses Buches, bedeute nicht nur biologische Zeugung. Sie tangiere auch die Problematik des Ursprungs und der Überlieferung der gesamten islamischen Tradition. In den Blick gerät damit der heute in den Hintergrund getretene Skandal, mit dem sich die bis dahin im westlichen Kulturkreis eher wenig präsente islamische Religion nachhaltig Gehör verschaffte: Über den konkreten Grund, weswegen der damalige iranische Staatschef Chomeini im Februar 1989 Muslime weltweit dazu aufforderte, Salman Rushdie, den Autor der kurz zuvor auf Englisch erschienenen Satanischen Verse, zu ermorden, herrscht bis heute eine gewisse Unklarheit. Mit wenigen Pinselstrichen skizziert Benslama, warum Rushdie die islamische Religion seinerzeit offenbar so tief traf. Der in England lebende Inder entwarf nicht einfach nur eine Mohammed-Karikatur im Sinne einer singulären blasphemischen Äußerung. Im Rückgriff auf eine in der islamischen Theologie bekannte Szene spielte Rushdie literarisch die Möglichkeit durch, dass der Prophet im Moment der Verkündigung nicht erkannte, dass sich der Erzengel Gabriel, also Satan, als Vermit