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Der Herausgeber sieht einen dreifachen Wert des vorliegenden Briefwechsels: »Erstens eröffnet er erstmals einen von Freud unabhängigen Zugang zu Fliess’ Biographie, zweitens schildert er in Ausschnitten Sudermanns […] Aufstieg zu einem äußerst erfolgreichen freien Schriftsteller und drittens bietet er […] ein neues lehrreiches Beispiel des engen Überlieferungszusammenhangs von Medizin und Literatur« (S. 8). Dieser Wert erschließt sich allerdings erst, wenn man das doch spärliche Ausgangsmaterial in einen größeren Zusammenhang einbindet. Die titelgebende Korrespondenz umfasst nur vierzehn Briefe (acht von Sudermann, sechs von Fliess), dazu kommen noch elf Briefe aus dem Freundeskreis (sechs von Fliess). Der quantitativ größte Teil des Buches besteht aber aus drei weiterführenden Kapiteln: »Der Arzt: Wilhelm Fliess und die Berliner Presse«, »Der Patient: Hermann Sudermanns Schriftstellernöte« und »Die Krankheit: Symptome der Divergenz in Briefen«.
Fliess (1858-1928) wurde tatsächlich bisher in der Geschichtsschreibung der Psychoanalyse meistens sehr einseitig und »freudozentrisch« wahrgenommen. Bei vielen herrscht noch ein Bild vor, wie es etwa von Ernest Jones gezeichnet wurde, der Fliess als »seltsame Persönlichkeit« und Zahlenjongleur mit »mystischen Zügen« beschrieb, mit einem »Hang zu hemmungsloser Spekulation« bei »einer rechthaberischen Ablehnung jeder Kritik«, so dass man sich natürlich fragt, wie Freud dazu kam, ihn als »Kepler der Biologie« und »neue[n] Kepler« (Freud 1985c, S. 350, 390) zu bewundern. Selbst nach dem fürchterlichen Kunstfehler Fliessens bei der Operation Emma Ecksteins blieb er für Freud »der Arzt, der Typus des Mannes, dem man vertrauensvoll sein Leben und das der Seinigen in die Hände legt« (S. 127).
Das von Goldmann recherchierte Material nötigt uns zuerst einmal, »unsere Vorstellung von Fliess als eines Hals-Nasen-Ohrenarztes von Grund auf zu korrigieren« (Goldmann, S. 7). Seine »tatsächliche Berufsbezeichnung« war »praktischer Arzt«, und