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Im Februar 2017 geschah eine Sensation, die in ihrer Tragweite noch kaum wahrgenommen worden ist. Die Sigmund Freud Papers der Library of Congress in Washington wurden nahezu vollständig digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jeder, der einen Internet-Zugang hat, kann jetzt auf einfachste Weise in diese überwältigende Sammlung von Material von und über Freud eintauchen. Das beginnt mit Freuds handschriftlichen Manuskripten und Tausenden von teils unbekannten Briefen im Original und endet mit etwa 60 Erinnerungen von Zeitgenossen und den berühmt-berüchtigten Eissler-Interviews - 268 (!) an der Zahl, manche 50 Seiten und länger, und berüchtigt, weil sie schwer zugänglich und teilweise gesperrt waren. Nichts ist mehr geheim, keine Hürden erschweren den Zugang, alles liegt offen und wartet darauf, gelesen und erforscht zu werden. Freud wurde demokratisiert. Hier ist der Schlüssel zu diesem Schatz: loc.gov
Es ist nicht zu viel versprochen, wenn am Ende ein neues Bild von Freud entstehen könnte. Von besonderem Interesse sind die Interviews, die Kurt Eissler mit allen Personen geführt hat, die mit Sigmund Freud Kontakt gehabt haben und deren er habhaft werden konnte (Untergruppe »interviews and recollections«). Man stößt auf die ganze Riege der Analytiker der ersten und zweiten Generation, Freuds Patienten und deren Angehörige, Antiquitätenhändler, Ärzte, die Freud behandelt haben, und viele mehr. Alle schildern ihre Erlebnisse mit Freud und ihre Einschätzungen. Natürlich fällt im Vergleich die Subjektivität ihrer Perspektiven ins Auge, doch dürfte sich in der Gesamtschau ein sehr viel zuverlässigeres Bild von Freud ergeben, als es bisher möglich war. Vor allem der bisher verbreitete Umgang: die nachträgliche Konstruktion eines Freud als Gründungsvater der je eigenen Auffassung von Psychoanalyse wird vermutlich zurechtgerückt werden. Der neue Freud wird ein fremderer Freud sein als bisher angenommen.
Als Beispiel möc