You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Immer wieder gab es die Angst vor dem Weltuntergang. Bei diesen Phantasien, die heute realistischer geworden sind, ging es um eine Mischung aus Ausrottung der Gattung, Selbstzerstörung und Strafgericht. Das Mittel der Metanoia, um das Strafgericht abzuwenden: »Tut Buße!«, ist Panikmache, und das ist in gewisser Hinsicht nicht so schlecht gewählt, denn ohne Panik ist keine Bedrohung erkennbar. (Der Nachteil nur, dass in der Panik eine Erkenntnis nicht besprochen und nur schwer vermittelt werden kann, weshalb Propheten schon immer riskierten, für verrückt erklärt zu werden.) Was aber ist daran »Katastrophenfaszination«? Nur ein Symptom der nicht verarbeiteten, hinter uns liegenden Katastrophe, oder schon ein berechtigter Hinweis auf die mögliche kommende?
Um Faszination handelt es sich, wenn wir immer wieder diesen Katastrophenmodus suchen. Was an dieser Panik so erschreckend ist, ist, dass sie einen Neuanfang für ganz unmöglich hält: Kaum noch jemand glaubt an die Veränderung der Welt zum Besseren. Eine solche Veränderung wäre vielleicht auf einem fernen Planeten in einem anderen Sonnensystem in Millionen Jahren, also nur durch einen vollständigen Neuanfang, vorstellbar. In der indischen Philosophie gibt es eine geradezu bis zur Karikatur gehende Ausführung dessen: Wir gehen immer wieder unter, herrlich wäre es, wenn wir einmal nicht im Schrecken untergehen, sondern in die ewige Gestaltlosigkeit eingehen könnten. Allerdings ergreifen die Jugendlichen nicht diese buddhistische, sondern eine realisierbare Option. Ihre Unbeirrbarkeit ist von solcher Entschiedenheit, dass man in ihrem Protest eine Möglichkeit radikalen Handelns in den einzelnen problematischen Feldern sehen kann - sozusagen etsi origo nova daretur. Sie bestätigen präzise die Mindestvoraussetzungen und einen möglichen zeitlichen Handlungsrahmen, den genügend Naturwissenschaftler, vor allem Biologen und Klimaforscher beschreiben. Dabei tun aber die Jugendlichen viel mehr als nur »bestätigen«. Das Gespräch z