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Die französische Psychoanalytikerin Laurence Kahn setzt mit ihrer kürzlich erschienenen Untersuchung Ce que le nazisme a fait à la psychanalyse die Reihe ihrer kritischen Beiträge zur Veränderung von Grundbegriffen der Psychoanalyse fort, diesmal mit historischem Bezug zum Nationalsozialismus.
Kahn ist Historikerin, Gräzistin und Psychoanalytikerin. Sie ist Lehranalytikerin der Association Psychanalytique de France und war von 2008 bis 2010 deren Vorsitzende. Ihre zahlreichen Veröffentlichungen werden insbesondere in Frankreich viel diskutiert. Einige Aufsätze der letzten Jahre liegen auch in deutscher Übersetzung vor, so dass auch deutschsprachige Leser mehr und mehr Zugang haben zu ihrem Projekt: einer Rückbesinnung auf Freud.
In ihrem Vortrag zur Karl-Abraham-Vorlesung 2012 (2013 im Jahrbuch der Psychoanalyse abgedruckt), zeigt Kahn unter dem Titel »»Verbohrt, extrem, sehr sonderbar«. Aktualität der Metapsychologie und Durcharbeiten der Übertragung«, wie die Freud’sche Metapsychologie für die Struktur des psychoanalytischen Arbeitens wesentlich ist und wie der Übertragungsbegriff
seinen Platz in diesem Gefüge zu verlieren droht, insbesondere in seiner Bedeutung als Widerstand.
In ihrer Auseinandersetzung mit dem Pluralismus in der Psychoanalyse unternimmt sie 2017 mit »In andere psychoanalytische Sprachen übersetzen« (abgedruckt in der Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis) eine präzise epistemologische Bestimmung von Freuds Begriff des Unbewussten, auf die hier nur ein kurzer Blick möglich ist:
»Unser Gegenstand selbst ist heterogen, sofern man der radikalen Irrationalität der Primärprozesse Rechnung tragen will. […] Es gibt nämlich keinen gemeinsamen Nenner zwischen dem, was uns gesagt wird, und dem, was uns getan wird - zwischen den expliziten semantischen Inhalten und allen verbalen und nonverbalen Formen, die im Sprechfeld des Patienten am Werk sind. Dies regt aufseiten des Analytikers eine Assoziationsweise an, die von Verwirrung beherrscht wi