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Jutta Gutwinski-Jeggle legt unter dem Titel Unsichtbares sehen - Unsagbares sagen elf Aufsätze aus den Jahren 1992 bis 2013 in drei Themenkreisen vor: 1. »Zur Sprache bringen«; 2. »Phänomene des Zeiterlebens«; 3. »Leibhaftig: Fühlen, Denken, Sprechen«.
Der Abschnitt »Einleitende Gedanken zu meinem Verstehenshintergrund« ist ein Konzentrat von Theorien, das sich vor allem auf Bion und Meltzer stützt. Ihn zu erfassen setzt, so die Autorin, zweierlei voraus: sich der »zweilagige(n) Struktur der Sprache« (Meltzer), d.h. der »Diskrepanz […] zwischen dem, was gesagt wird, und dem, worum es geht« (S. 25), bewusst zu sein, und zugleich die »Tiefenmusik« (S. 25) des Unbewussten hören und verstehen zu können. Das wiederum erfordert nach Stoupel eine bestimmte analytische Haltung:
»Wie der Rezipient einem zeitgenössischen Kunstwerk, so begegnet der Analytiker seinem Patienten in der Sitzung. Bevor er weiß, versteht, deutet, erkennt, lässt er das Material so unvoreingenommen wie möglich auf sich wirken, unbehelligt von dem, was er über den Patienten schon weiß und verstanden hat und ohne etwas Bestimmtes zu wollen« (S. 31).
Etwas von dieser Haltung möchte die Autorin im ersten der theoretischen Beiträge - »Wie arbeitet ein Psychoanalytiker?« - angehenden Analytikern vermitteln. Was beim Patienten eine Veränderung der Persönlichkeitsstruktur und nicht nur die Beseitigung von Symptomen bewirkt, ist nach einem Wort Freuds an die Fähigkeit gebunden, »dem gebenden Unbewussten des Kranken sein eigenes Unbewusstes als empfangendes Organ« zuzuwenden. Die Autorin übersetzt dieses Postulat als Aufgabe des Analytikers,
»das Unfassbare und Unerträgliche aus der Lebensgeschichte des Patienten, das dieser […] ins Unbewusste verbannen musste, in aushaltbare Wirklichkeit verwandeln zu helfen, indem er sich dem Patienten als lebendiges, spürendes und verstehendes Gefäß zur Verfügung stellt und sich anbietet, bisher unsagbar schlimme Erfahrungen […] aufzunehmen und in sich zu beherbergen, um sie zu