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»Nothing in life to be feared, it is only to be understood.«
Je lauter in der Öffentlichkeit der Ruf nach Transparenz wird, desto schärfer tritt dazu die Psychoanalyse als eine aufwendige individuelle Behandlungsmethode in Gegensatz, weil sie Schutz durch einen sicheren äußeren Rahmen für die vertraulichen Mitteilungen garantieren muss. Anders ist die Entfaltung sehr persönlicher und intimer Erfahrungen, Wünsche, Gedanken und Einfälle, deren Bedeutung in der Analyse wesentlich ist, nicht möglich. Der feste Rahmen hat gleichzeitig die Funktion zu verhindern, dass sich das Mitgeteilte und Gewünschte in Handlungen umsetzt, statt verbalisiert und verstanden zu werden (Bohleber 2007).
Sobald die Forderung nach rascher und umfassender Offenlegung lauter, bedrohlicher und gesetzlich verankert wird, steigt in einer Gegenbewegung der Ruf nach Datenschutz und Diskretion. Die Polarität der Wünsche, einerseits etwas geheim halten und andererseits etwas wissen zu wollen, sticht hervor und verweist auch auf weitere Dichotomien und Konflikte wie die zwischen Individuum und Gesellschaft.
Vorauszuschicken ist, dass die Gesellschaft einige gute Gründe hat, bezüglich der intensiven Behandlung einzelner Individuen Fragen zu stellen, wenn eine Mehrheit will, dass öffentliche Gelder zur Unterstützung therapeutischer Behandlungen herangezogen werden. Das berechtigt natürlich auch zur weiteren Frage, ob die Behandlung so gut und verantwortungsbewusst wie möglich durchgeführt wird.
Als Analytiker überrascht es uns kaum, wenn nicht solche rationalen, sondern emotionale Gründe die stärkste Wirkung ausüben. Eine Identifizierung der Bevölkerung mit psychisch gefährdeten oder leidenden
* Bei der Redaktion eingegangen am 3.12.2019.
Menschen kann Anteilnahme und Neugier wecken. Sie kann aber ebenso Abwehr hervorrufen. Diese unvermeidliche Ambivalenz führt häufig zu spannungsgeladenen Diskussionen auf den