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Wer sich als Forscher ins Feld begibt, sollte sich nicht der Illusion hingeben, ethisch unbelastet wieder herauszukommen. Diese Auffassung möchte ich in meinem Kurzessay begründen. Die ethischen Probleme beruhen auf drei Merkmalen1 der Feldforschung, die einerseits in sich normative Zwickmühlen enthalten und zwischen denen andererseits oft schwierige Abwägungen zu treffen sind: Erstens sind wir als Forschende in gesellschaftliche Machtverhältnisse und Ungleichheiten eingebunden, die wir im Feld unweigerlich durch unsere Präsenz zum Ausdruck bringen. Zweitens gefährden wir in vielen Fällen unsere Forschung, wenn wir uns im Feld nicht strategisch verhalten, insbesondere hinsichtlich der Informationspolitik gegenüber den Beforschten. Drittens schließlich können wir als Forscher schwerlich alles zurückgeben, was wir von anderen bekommen haben, und bleiben damit unabweisbar Schuldner - sowohl gegenüber den Beforschten als auch gegenüber der Öffentlichkeit, für die wir forschen und schreiben dürfen. Diese drei Merkmale legen die Schlussfolgerung nahe: Wer mit sauberer Weste vom Feld kommt, kann nicht wirklich dort gewesen sein.
Forschende sind wie die Beforschten keine neutralen Wesen, sondern ebenfalls Teil einer von Ungleichheiten geprägten sozialen Welt. Sie repräsentieren ihre Herkunftskultur, ihre Hautfarbe, ihr Geschlecht, ihre Stellung als Akademiker usw. Nicht immer, aber häufig befinden sie sich den Beforschten gegenüber in einer privilegierten sozialen Lage. Michel
* Bei der Redaktion eingegangen am 15.1.2020.
Mit diesen drei Merkmalen ist keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit verbunden; vielmehr werden sie hier im Bewusstsein ihrer Unvollständigkeit behandelt. Die Felder, in denen ethnographische Feldforschung stattfindet, sind so vielgestaltig und das Verhältnis zwischen Forschenden und Beforschten derart divers, dass die darin implizierten ethischen Fragen kaum lückenlos aufgeführt werden können (siehe Iphofe
* Bei der Redaktion eingegangen am 15.1.2020.
Mit diesen drei Merkmalen ist keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit verbunden; vielmehr werden sie hier im Bewusstsein ihrer Unvollständigkeit behandelt. Die Felder, in denen ethnographische Feldforschung stattfindet, sind so vielgestaltig und das Verhältnis zwischen Forschenden und Beforschten derart divers, dass die darin implizierten ethischen Fragen kaum lückenlos aufgeführt werden können (siehe Iphofe