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Die Abkürzung »E.I.« steht für Eretz Israel, das Gelobte Land der Juden. Freud war kein Zionist und doch benutzte er recht dieses Akronym unbefangen und quasi selbstverständlich 1936 in einem Brief an Judah Dwossis, den Übersetzer von Totem und Tabu ins Hebräische. Dieser aufschlussreiche Umstand kann als Einstieg in die faszinierende Geschichte dienen, die der israelische Psychoanalytiker Guido Liebermann vorgelegt hat. Liebermann deutet die Verwendung dieses Akronyms nicht nur als ein Zeichen von Freuds Anerkennung für seinen Übersetzer, sondern auch der zunehmenden Affinität des Begründers der Psychoanalyse zum Yishuv angesichts des in Europa grassierenden »barbarischen Totalitarismus« (S. 245; hier und im Weiteren stammen alle Übersetzungen von mir, G.H.). Freud hatte 1930 außerdem das Hebräische in einem Schreiben an die Lehrergewerkschaft Histadrut HaMorim »unsere heilige Sprache« genannt (S. 245; hier und im Weiteren stammen alle Übersetzungen von mir, G.H.).
Guido Liebermann - selbst ein Kind jüdischer Auswanderer aus Deutschland und der Ukraine (seine Eltern waren nach Argentinien emigriert, wo er aufwuchs) - bezeichnet das vorstaatliche Israel und die hebräische Sprache als ein »Refugium« (S. 253) für die Psychoanalyse ab 1933. Seine Geschichte der Ursprünge der Psychoanalyse in Israel umfasst aber den gesamten Zeitraum 1918-1948 und hat viel mehr und viel Überraschenderes zu bieten als die allgemein bekannte Erkenntnis, dass viele europäische Psychoanalytiker dort ein neues Zuhause finden konnten. Liebermann schreibt die Geschichte der Psychoanalyse sehr gekonnt in die Geschichte der Emigration nach Israel (»Aliyah«) und in die wissenschaftliche, insbesondere medizinische, sozialpolitische, ideologische und kulturelle Entwicklung Palästinas zur Zeit des Britischen Mandats ein. Er gibt auf beeindruckende Art und Weise sowie sprachlich-stilistisch virtuos, in einer eleganten und fesselnden Darstellung, die Atmosphäre jener Jahre wieder. Sein Buch ist aus ein