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Gegen Ende seines Lebens, am Vorabend des Zweiten und noch unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, ging Freud (1937) der Frage der inneren und äußeren Bedingungen für eine gelingende Psychoanalyse nach. Immer wieder reißt er dabei die materiellen Umstände für die Gefahren eines (Wieder)-Auftretens einer Neurose an, ohne aber eine konkrete Analyse der politischen Bedingungen der Krankheitsentwicklung zu betreiben - die Frage der Ökonomie stellt sich lediglich für die intrapsychische Dynamik.
Von feministischer Seite wurde Freud mit Verweis auf objektbeziehungstheoretische Neuformulierungen psychoanalytischer Entwicklungstheorie für die fehlende Analyse der sozialen Bedingungen der Krankheitsentwicklung und seiner Theoriebildung kritisiert (Bueskens 2014). Vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen scheint die Frage nach der sozialen Verortung und Verantwortung psychoanalytischer Theoriebildung dringlicher zu werden. Während der letzten Jahrzehnte wurden wir Zeugen eines radikalen Abbaus sozialer Institutionen in weiten Teilen Europas. Die aktuellen politischen Kämpfe zwischen den rechtspopulistischen Erben der neoliberalen Agenda einerseits und einer erstarkenden globalen Bewegung für einen demokratischen Sozialismus andererseits können als Folge der Zuspitzung materieller Verteilungskämpfe gesehen werden. Aus psychoanalytischer Perspektive könnte man sich nun auf eine Position analytischer Neutralität zurückziehen.
Ich meine aber, dass die Dringlichkeit der globalpolitischen Situation, ebenso der reiche Erfahrungsschatz unserer Theorien über die Rahmenbedingungen gelingender psychischer Entwicklung uns dazu nötigt, öffentlich eine solidarische Position zu beziehen. Dies scheint mir aus Kandidaten-Perspektive auch deshalb wichtig, da wir unmittelbar
* Bei der Redaktion eingegangen am 28.7.2019.
betroffen sind: Psychiatrische und psychosomatische Institutionen, die Orte unserer primären beruflichen Ausbildung, sind von Sparmaßnahmen betroffen, die psycho