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Eine Biographie Harald Schultz-Henckes (1892-1953) ist seit Langem überfällig. Dieser intellektuell begabte Mann, der von vielen als charismatischer Redner und Lehrer erlebt wurde, ist durch die gruppendynamischen Prozesse im Nachkriegsdeutschland in den Ruf geraten, mehr mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten gemein zu haben als fast alle anderen, die wie er im ehemaligen Reichsinstitut (das sogenannte »Göring-Institut«) arbeiteten und lehrten. Dieser Ruf hat auf die Nachkriegs-DPG abgefärbt und ist immer schon ungerecht gewesen, wie jeder weiß, der sich mit der Geschichte der Psychoanalyse beschäftigt.
Steffen Theilemann hat unter anderem die Tagebücher Schultz-Henckes herangezogen, um bis zum Jahr 1921, dem 30. Lebensjahr Schultz-Henckes, dessen Leben nachzuvollziehen. Er stellt es dabei vor allem in den Kontext der Freideutschen Jugendbewegung, an der Schultz-Hencke aktiv teilnahm und zeitweise eine führende Rolle spielte. An diesem Punkt endet die vorliegende Biographie, was für Psychoanalytiker insofern bedauerlich ist, als Schultz-Hencke sich erst kurz danach der Psychoanalyse zuwandte und dieser nächste Teil seines Lebens für Psychoanalytiker natürlich besonders interessant ist. Andererseits erfahren wir einiges über die intellektuellen Wurzeln Schultz-Henckes und das erste Feld, in dem er tätig war, die Jugendbewegung.
Theilemann geht nach dem Motto »Let the documents speak« vor und wirft den Leser bereits auf der ersten Seite in die Materie. Er hat zur Lebensgeschichte Schultz-Henckes viele interessante Details gefunden und geht sofort in medias res, ohne sich mit einer Einleitung oder einem Nachwort aufzuhalten. Das ist einerseits radikal sachbezogen, lässt aber andererseits den Leser, der vom Spezialisten eine Einschätzung, Zusammenfassung und Einordnung der Materie in den psychoanalysehistorischen Kontext wünscht, ziemlich allein. Sehen wir also, was wir den Dokumenten entnehmen können. Der Autor des Buches möge mir verzeihen, wenn ich vor allem hera