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»Lange Zeit hatte der Rote Tod das Land entvölkert. Nie zuvor hatte eine Seuche so furchtbar und unbarmherzig gewütet. Blut war ihr Antlitz und ihr Siegel die schauerliche Röte des Blutes. […] Prinz Prospero aber war glücklich, furchtlos und voll Kühnheit. Als seine Provinzen halb entvölkert waren, entbot er eine Kumpanei von etwa tausend lebenslustigen Leuten aus dem Kreise seiner Höflinge und der Damen des Hofes zu sich und zog sich mit ihnen in die tiefe Abgeschlossenheit eines seiner befestigten Schlösser zurück. […] Eine starke und hohe Mauer mit schweren, ehernen Toren umgab das Schloß. Als die Gäste des Prinzen eingezogen waren, brachte man Feueressen und Hämmer herbei und schmiedete die Riegel der Tore zu, denn es sollte ebensosehr das Eindringen der Seuche und der Verzweiflung verhindert werden, wie man verhüten wollte, daß die Kunde von der tollen Lustbarkeit im Inneren des Schlosses nach draußen gelangte« (Poe 1959 [1842], S. 206f.).
Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit ist das »Virus«, das, an der Seite der apokalyptischen Reiter der Wiederkehr des Verdrängten reitend, aus dem »Realen« hervorgebrochen zu sein scheint, in der Lage gewesen, die Menschheit aus der freien Luft des realen Lebens in die geschlossenen Bereiche von Zoom und unbewussten Phantasien zu jagen. Die Seuche schlägt tatsächlich in der Wirklichkeit zu, verbreitet Schrecken jedoch vor allem durch ihre Darstellung in unserer Imagination. David
* Die hebräische Originalfassung erschien in: Sihot. Israel Journal of Psychotherapy, Sonderheft April 2020, hg. von Boaz Shalgi und Eliezer Witztum.
Bei der Redaktion eingegangen am 16.4.2020.
Grossman (2020) beschrieb das sehr passend in einer Kolumne, die in Haaretz veröffentlicht wurde: »[E]twas an der Gesichtslosigkeit dieser Seuche, ihre brutale Leere, scheint damit zu drohen, unser ganzes Sein aufzusaugen, das plötzlich so zerbrechlich und hilflos erscheint.«
Da sie so fürchterlich und so ungreifbar ist, muss man in seiner Vorstellung ein Gesicht f