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Der schmale Band zum Thema Rechtsradikalismus geht auf einen Vortrag zurück, den Theodor W. Adorno 1967 vor Studenten in Wien hielt und der in den Nachgelassenen Schriften enthalten ist. Seine separate Veröffentlichung verdankt sich, so ist anzunehmen, der Aktualität, die das Thema des Rechtsextremismus gegenwärtig hat, sowie der dialektischen Gesellschaftskritik, die mit dem Namen Adornos assoziiert ist. Adorno verbindet in seinem Vortrag sozialpsychologische, psychoanalytisch vertiefte Beobachtungen und Erkenntnisse mit einer Theorie der Gesellschaft, nach der gesellschaftlich antagonistische Konflikte durch um sich greifende negative Kapitalbewegungen herbeigeführt sind.
Den festen Kern des weit ausholenden Vortrags bilden die Studien über den autoritären Charakter von 1949. Sie stützen sich ganz entschieden auf die psychoanalytische Strukturtheorie und hatten seinerzeit die sozialpsychologische Erklärung faschistischer Bewegungen der Weimarer Zeit ebenso wie des Nationalsozialismus zum Ziel. Schwächen der psychischen Struktur und die Dynamik der Abwehr innerpsychischer Konflikte erschließen hiernach Einstellungen, in denen Erfahrungen mit sozialer Unterwerfung unter die Autorität von wirtschaftlichen und politischen Machtträgern umgedeutet sind. Aufgrund des Einflusses, den abgewehrte aggressive Regungen auf soziales Verhalten ausüben, gewinnen Reaktionsmuster die Oberhand, die Adorno im Rechtsradikalismus wiedererkennt.