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Über Freud, sollte man denken, gibt es schon alle Literatur, die man sich nur wünschen kann. Und doch - hier ist ein neues Freud-Buch. Aus allen bisherigen Genres von Freud-Büchern (biographischen, wissenschaftstheoretischen, klinischen) fällt es heraus. War Freud ein Messie (so der Antifreudianer) oder repräsentierte er mit der Einrichtung seiner Praxis die Gattungshöhle (so der Religionsphilosoph Klaus Heinrich)? Lothar Müller hat sich diese Einrichtung genauer angesehen und sie zum Zentrum seiner Untersuchung über Freuds »Dinge« gemacht. Herausgekommen ist dabei nicht ein Einrichtungskatalog, sondern eins der schönsten Bücher über Freud, die ich je gelesen habe. Eine Einführung in Freuds Denken ist es allerdings nicht. Man muss schon etwas von seinen Intentionen und Hoffnungen wissen, um mitgehen zu können.
Der Titel verwundert zunächst. Was versteht Lothar Müller unter den »Dingen« Freuds? Er meint die Gegenstände, die Freud nicht nur besitzt, sondern die für sein berufliches Handeln, seine Entwicklung als Theoretiker eine elementare Funktion haben. Schon das erste Kapitel - wir sind noch nicht in Freuds Behandlungszimmer - ist genial. Es wird dargestellt, wie Freud sich allmählich aus der positivistisch-naturwissenschaftlichen Position und der technischen Apparate-Suggestion herausarbeitet, ohne dabei auf die Begriffe der Arbeit und des Apparats zu verzichten. Dieses theoretische Kapitel wirft die Frage auf, inwieweit Freud bei seinen medizinischen Laboranfängen bleiben wird. Psychischer Apparat ja oder nein? Ja, sagt Freud. Davon wird er sich niemals trennen, und Lothar Müller respektiert und legitimiert diesen methodologischen Ansatz in seiner Ding-Analyse. Freud will Naturwissenschaftler sein, nicht Philosoph. Das ändert nichts daran, dass er sich
spekulative Freiheiten gestattet, dass er die Individualgeschichte vor den Horizont der Gattungsgeschichte stellt. Diese methodologischen Ansätze führen ins Zentrum von Müllers Analyse, zu dem auch für Freud zent