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Die Digitalisierung aller Lebensbereiche und zuletzt die Corona-Pandemie haben die Möglichkeit von Fernanalysen mit Hilfe digitaler Medien zunehmend in den Fokus gerückt, wobei es langjährige Erfahrungen mit Telefonanalyse schon seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt. Neu ist, dass in den letzten Monaten alle praktizierenden Psychoanalytiker mit der Herausforderung von Fernanalysen konfrontiert wurden, auch wenn einzelne schon vorher, zumeist ohne großes Aufsehen, diese veränderten Settings nutzten. In den Diskussionsbeiträgen zum Thema, die in Fachzeitschriften und -foren ausgetauscht werden, steht das Lager der Warner (z.B. Hardt 2018; White 2020) dem Lager derer gegenüber, die die Chancen dieser Behandlungsmöglichkeiten betonen (u.a. Miermont-Schilton & Richard 2020; Scharff 2020; Zeavin 2020).
Die internationalen Veröffentlichungen fokussieren stark auf die Handhabung des Mediums und die Erschwernisse der Fernanalyse und weniger auf das Potential, das sich in manchen Behandlungen zeigt. Im Austausch mit Kollegen, die längere Erfahrungen mit Fernanalyse haben, erfuhr ich häufig, wenn es um den Wechsel von einer analogen zu einer Fernbehandlung ging, dass dieser erstaunlich gut vonstattengegangen sei. Und dann wird fast regelhaft von einer größeren Nähe (besonders bei Telefonbehandlungen; vgl. Miermont-Schilton & Richard 2020; Zeavin 2020), von einer Vertiefung des Materials, von vermehrten biographischen Einfällen und vom Anwachsen der Nähe
* Bei der Redaktion eingegangen am 21.9.2020.
und Intensität der analytischen Beziehung berichtet. Dabei wird nicht selten darauf hingewiesen, wie überraschend gut das gerade mit diesem Patienten gelungen sei. Wie ist das zu verstehen?
Zunächst ist der Einsatz von Videokonferenzprogrammen oder des Telefons immer zweite Wahl, wenn the real thing, nämlich der Besuch beim Analytiker in der Praxis, nicht möglich ist (z.B. bei Auslandsjahren, Ortswechseln oder Gefahrensituationen) oder nicht mö