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Elf Nominierungen für den Academy Award of Merit 2020 der US-amerikanischen Filmakademie fielen auf Todd Phillips’ Joker, zwei Oscars wurden dem Film schließlich zugesprochen: dem Hauptdarsteller Joaquin Phoenix für seine Rolle als Arthur Fleck und der in Berlin lebenden isländischen Komponistin und Cellistin Hildur Guðnadóttir für den besten Soundtrack. Als der Film auf den Festspielen in Venedig Ende August 2019 seine Uraufführung hatte, war das Echo der Kritiker gespalten und zunächst sogar überwiegend negativ. Dass der Film dann mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, fachte die Kontroverse noch an. So kommentierte Stephanie Zacharek, Filmkritikerin der Time und 2015 für den Pulitzer-Preis nominiert, noch am Tag der Uraufführung: »Phillips will uns glauben machen, er habe einen Film über die Leere unserer Kultur gemacht, doch ist der Film nichts als ein erstklassiges Beispiel dafür« (Zacharek 2019). In der weit verbreiteten Internetplattform IndieWire sah David Ehrlich in dem Film »ein Schranken einreißendes Durcheinander moralischer Inkohärenz« (Ehrlich 2019). Nach einigen eher abfälligen Bemerkungen zur filmischen Qualität, die »aus zweiter Hand« sei, urteilte Daniel Kothenschulte in der Frankfurter Rundschau ähnlich moralisierend: »Wirklich ärgerlich ist zudem ein politischer Subtext: Als der Joker drei junge Banker erschießt, entfacht das solidarische Massendemonstrationen« (Kothenschulte 2019). In seinem Venedig-Tagebuch verneint der Kritiker und Filmemacher Rüdiger Suchsland jeden Erkenntnisgewinn durch diesen Film. Er bemühe
* Bei der Redaktion eingegangen am 2.11.2020.
nur die »plattesten Klischees unserer Tage - psychische Krankheiten und Kindesmissbrauch -, mit denen sich heute alles erklären lässt« (Suchsland 2019). Und weiter: »Die Wirklichkeit berührt er [der Film] nur von fern, andere Menschen auch nicht. Er kreist wie Arthur/Joker narzisstisch um sich selbst.« Dagegen stehen Urteile, die gerade von der Intensität des Spiels und der Nähe des Z