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»Es scheint, dass die Deutschen uns Auschwitz nie verzeihen werden«, zitiert der US-Journalist Leo Katcher in seinem 1968 erschienenen Bericht Post Mortem: The Jews in Germany - Now die Publizistin, Remigrantin und Verfasserin eines Augenzeugenberichtes über die Anfangsjahre des NS-Regimes Hilde Walter.
»Das ist ihre Krankheit, und sie verlangen verzweifelt nach Heilung. Aber sie wollen sie leicht und schmerzlos. Sie lehnen es ab, sich unters Messer zu legen, das heißt: sich der Vergangenheit und ihrem Anteil daran zu stellen« (S. 87f.).
Einer der schärfsten Beobachter und unversöhnlichsten Kritiker dieser inneren Verfasstheit und ihrer Erscheinungsformen in der deutschen Politik war Eike Geisel. Geboren wurde er in Stuttgart 1945, fast genau einen Monat nach der »bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht«, jener Zeitenwende, die man in Deutschland erst mehr als 30 Jahre später - und auch dann nur äußerst zögerlich - »Tag der Befreiung« zu nennen begann. Geschult an der kritischen Theorie Adornos und Horkheimers und orientiert an den Überlegungen zu den Elementen und Ursprüngen totaler Herrschaft Hannah Arendts, deren Essays er auch ins Deutsche übersetzte, promovierte Geisel über »Marx und die nationale
* Geisel, Eike: Die Wiedergutwerdung der Deutschen. Essays & Polemiken. Hg. u. mit einem Nachwort von Klaus Bittermann. Berlin (Edition Tiamat) 2015. 464 Seiten, € 24,00.
Geisel, Eike: Die Gleichschaltung der Erinnerung. Kommentare zur Zeit. Hg. u. mit einem Nachwort von Klaus Bittermann. Berlin (Edition Tiamat) 2019. 488 Seiten, € 26,00.
Bei der Redaktion eingegangen am 17.1.2021.
Frage«. Er arbeitete zunächst als Dozent an Hochschulen in Berlin und Lüneburg, bevor er seine Laufbahn als Journalist und Essayist mit der Herausgabe von Vielleicht war das alles erst der Anfang begann, dem Tagebuch aus dem KZ Bergen-Belsen 1944-1945 der jüdischen Kommunistin und Partisanenkämpferin Hanna Lévy-Hass, mit der er ausführliche Gespräche geführt hatte. Einigen davon hatte der m