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Julia Kristeva ist Professorin für Linguistik, praktizierende Psychoanalytikerin, Supervisorin der Société Psychanalytique de Paris und eine berühmte Schriftstellerin. Mit Alice Jardine tauchen wir in ihr eindrucksvolles Leben und Werk ein. Jardine, ihrerseits Professorin für französische Literatur, Poststrukturalismus sowie Feministische Theorie an der Harvard University, ist eine große Bewunderin Kristevas, über die sie nun eine umfassende persönliche und intellektuelle Biographie vorlegt hat. Der Titel des Buches betont den Prozess des Denkens und vermittelt bereits, wie wichtig für Kristeva freies Denken ist. Wer ist Julia Kristeva? Viele Personen, schreibt Jardine: Psychoanalytikerin, Linguistin, Lehrerin, Autorin, Mutter, Ehefrau. Jardine verbindet sie in einer wunderbar intellektuellen, persönlichen, ja liebevollen Art.
Zunächst reisen wir in Kristevas Kindheit, die 1941 in Sliven, Bulgarien, beginnt. Ihr subjektiv-persönliches Erleben wird dabei differenziert mit politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen in Bulgarien bis 1965 verknüpft. Im Jahr 1946 zog die Familie vom Land in die Hauptstadt
Sofia, um bessere Bildungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen zu können. Kristeva besuchte einen französischsprachigen christlichen Kindergarten, durch den ihr Interesse an der französischen Sprache früh geweckt wurde. Aufgrund der fehlenden Parteizugehörigkeit des Vaters durfte sie keine französische Schule besuchen, konnte aber in der Institution »Alliance française«, die nach 1946 in der Volksrepublik Bulgarien nicht geschlossen wurde, weiterhin Französischunterricht nehmen. Kristeva studierte Romanistik sowie Literatur und kam im Dezember 1965 etwas überstürzt mit fünf Dollar in der Tasche in Paris an. Jardine beschreibt den schweren, einsamen, aber auch lebendigen und vielschichtigen Einstand Kristevas in Paris. Sie promoviert bei Lucien Goldmann, begegnet durch Roland Barthes und Jacques Lacan der Semiotik und der Psychoanalyse. Sie schreibt für das literaturkritis