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Man kann wirklich nicht sagen, dass Laplanche hysterisch denkt und voreilig Begriffe propagiert, die er nicht zunächst einmal geduldig durchdacht und durchgearbeitet hätte. Er wägt ab, nimmt auf, legt ab, nimmt erneut auf, legt erneut ab, bis er sich seiner Sache endgültig sicher ist und mit seinen Erkenntnissen und ihren Konsequenzen nicht länger »hinterm Berg« hält. Für dieses Vorgehen hat er den Begriff der Spirale gefunden, den er selbst immer wieder expliziert hat: Das Denken dreht sich um eine vertikale Achse, es kommt also immer wieder auf die gleiche Problemstellung zurück, wechselt jedoch bei jeder Drehung die horizontale Ebene, weil das Problem eine neue Wendung erfahren hat und ein neuer Aspekt hinzugekommen ist (vgl. Hock 2016, S. 445ff.). Vor diesem Hintergrund ist es gleichsam ein Ereignis im Werk Laplanches, wenn er zu neuen Begrifflichkeiten oder gar zu einer neuen Theorie vordringt, um dadurch eine Sache auf den Punkt zu bringen.
Das Beispiel par excellence und die Sache selbst ist natürlich die »Verführung«, über die er bereits in seinen Texten aus den 60er Jahren nachdenkt, um sie dann aber erst viele Jahre später in seinen Neuen Grundlagen für die Psychoanalyse (2011 [1987]) zum Dreh- und Angelpunkt seiner eigenen Theorie, der »Allgemeinen Verführungstheorie«, zu machen. Es versteht sich von selbst, dass auch nach der Propagierung dieser Theorie ihre Konsequenzen für sein Denken des Unbewussten nicht aufgehört haben, ihn zu beschäftigen.