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Ist es eine leere Behauptung, dass der Wahrheitsanspruch im Zentrum unserer Praxis steht und jedem Psychoanalytiker, der diesen Namen verdient, tagtäglich gegenwärtig ist? Man könnte es meinen, wenn man feststellen muss, dass die berühmtesten und zudem rigorosesten Denker sich seit jeher, so jüngst noch, ohne die geringsten Skrupel ein unzulänglich informiertes Bild einer »Psychoanalyse« zusammenschustern, die sie dann umso leichter in Verruf bringen können.
Marie Moscovicis empörter Aufschrei vor fast zehn Jahren anlässlich von Lévi-Strauss’ Eifersüchtiger Töpferin klingt uns noch im Ohr: »Die Psychoanalyse ist ein Mythos, Lévi-Strauss hat es auf den Punkt gebracht« (Moscovici 1989, S. 205). Wie scharf diese Formulierung auch klingt, sie ist nicht unbegründet, und Lévi-Strauss hat sicher jedes Recht, die Frage zu stellen, ob die Psychoanalyse »ein Mythos« sei; auch wir wollen das auf unsere Weise tun. Es ist jedoch kaum von der Hand zu weisen, dass das Bild unserer Disziplin, das Lévi-Strauss zeichnet, tatsächlich eine aus einseitig ausgewählten Stücken »zusammengebastelte« Kurzfassung ist ohne jede Bezugnahme auf die Geschichte eines Denkens, die vor allem dann unverzichtbar ist, wenn es um Freud geht.
Lévi-Strauss ist nicht der Einzige, der denkt, dass eine solch ungefähre Kenntnis durch das Wesen unserer Disziplin selbst gerechtfertigt sei. Andere große Denker, wie Heidegger und wohl auch Wittgenstein, könnte man genauso anführen.