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»Wohin wir auch schauen in der Gesellschaft der Gegenwart: Was immer mehr erwartet wird, ist nicht das Allgemeine, sondern das Besondere, […] das Singuläre.« So beginnt Andreas Reckwitz’ Buch Die Gesellschaft der Singularitäten. Die derzeit beste soziologische Analyse moderner Lebensformen beschreibt damit zugleich die Grundlage aller Identitätspolitik.
Identitätspolitik ist ein zentraler Terminus der aktuellen politischen Diskussion. Caroline Fourest versteht darunter in ihrem Buch Generation Beleidigt »die Bereitschaft, eine auf Minderheiten ausgerichtete Politik zu betreiben, die sich auf »Rasse«, Geschlecht und Gender bezieht« (S. 58). Hervorgegangen aus dem politischen Kampf um Gleichberechtigung und gesellschaftliche Anerkennung von ausgegrenzten Gruppen wie Nicht-Heterosexuellen oder religiös oder ethnisch von der jeweiligen gesellschaftlichen Norm »Abweichenden«, hat sich daraus eine Haltung entwickelt, die, so die Autorin, geeignet ist, die Bewegung antirassistischen Protests in ihr Gegenteil zu verwandeln. Was ursprünglich an die klassischen Emanzipationsversuche der Arbeiter- und Frauenbewegung anknüpfte, habe sich in wenigen Jahrzehnten vom Versuch »einer Sichtbarmachung von Minderheiten zu einer Methode der Klassifikation, einer Politik der Anerkennung« gewandelt, die »leider allzu oft zu einer Verstärkung des Ressentiments« führte, dem sich die Ausgegrenzten lange Zeit ausgesetzt fühlten (S. 58).