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Der Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit e.V. in Tübingen veranstaltete bis 2018, gestoppt von der Pandemie, fast vier Jahrzehnte lang bemerkenswerte Fachtagungen in Rottenburg am Neckar, auf denen relevant erscheinende Konfliktlagen und Themen aus den Tätigkeiten des Vereins reflektiert vorgetragen und in größerem Rahmen mit Fachleuten anderer Vereine und Institutionen diskutiert wurden. Der Band Traumatisierung und Verwahrlosung ist die Dokumentation der 18. dieser Fachtagungen vom November 2016. Er greift die damals nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Geflüchtetenthematik rasante Verbreitung des Traumatisierungsbegriffs auf und stellt sie in einen Kontext psychoanalytischer Überlegungen, die der Verein bereits 1988 auf der Tagung »Psychose und Extremtraumatisierung« angestellt hatte. »Traumatisierte Menschen werden […] als Opfer wahrgenommen. Wenn sie aber zu Tätern werden, wie reagiert dann die Gesellschaft?« (S. 10). Auch sind Traumatisierte keineswegs immer dankbare Annehmer von Hilfe und Therapie, sondern bringen
»Helfer in aktiver Weise in aussichtslose, ohnmächtig und perspektivlos machende […] Situationen. Manchmal erscheinen sie weder beziehungs- noch gruppenfähig, verweigern und attackieren alle Angebote, […] bis sie aus allen sozialen Zusammenhängen herausfallen« (S. 10).
Diese Erkenntnis führt in der Tradition der Psychoanalyse und der psychoanalytischen Sozialarbeit direkt zu den gut 100 Jahre alten Überlegungen Siegfried Bernfelds, August Aichhorns und Freuds und zur Diskussion des von Aichhorn geprägten Verwahrlosungsbegriffs, den
Winnicott in seinem Buch Aggression - Versagen der Umwelt und antisoziale Tendenz ähnlich fasst, nämlich als »antisoziale Tendenz«, die er als »Zeichen von Hoffnung« deutet. Delinquenz, »Dissozialität, […] abweichendes oder gar originelles Verhalten« (S. 9) sind weitere aktuelle Termini der (psychoanalytischen) Pädagogik, Sozialarbeit und Jugendhilfe.
Im ersten Kapitel des Bandes widmet sich Martin Feuling zunächst