You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Christoph Türcke, Professor emeritus der Leipziger Universität und lebenslänglich von der psychoanalytischen Muse geküsster Philosoph, hat ein aufsehenerregendes Buch vorgelegt. Es kreist um den vielzitierten Satz, die Natur sei »das, was wir aus ihr machen«. Türckes Grundfrage an dieses Statement fasst seinen Ansatz knapp zusammen: »Aber ist sie nur das - und sonst nichts?« (S. 11). Erst dieser Zugang rühre »an den Nerv des Problems«. Was ist das uns »Gegebene«, was bedeutet das von Kant zum »Ansich« erhobene und damit in letzter Konsequenz unzugängliche Reich der Natur, das wir nur in unseren erkenntnistheoretischen Konstruktionen einholen können?
Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Der erste ist mit Natur, der zweite mit Gender überschrieben. Es geht, wie der Untertitel anzeigt, um »Machbarkeit« und den mit ihr verbundenen Wahn. Der Hintergrund für Türckes Nachdenken ist der aktuelle identitätspolitisch aufgeheizte Diskurs, der direkt auf zentrale philosophische Fragen führt. Natur ist heute in aller Munde. Geht es nicht darum, sie zu erhalten - und damit die Welt zu retten? Aber was ist »Natur«? Türckes Buch, so könnte man sagen, geht dem bemerkenswerten Paradox der gegenwärtigen Diskussion nach, einerseits Natur zum schicksalhaften Subjekt der Welt(-gestaltung) zu machen - und sie andererseits zum bloßen Rohstoff der Machbarkeit zu degradieren. So ist im Genderdiskurs »Geschlecht« nicht natürlich, sondern allein sozial konstituiert: Geschlechtsidentität wird durch »Zugehörigkeitsempfinden« bestimmt.
Das neue Paradigma laute: »Sentio ergo sum: Ich bin das, als was ich mich fühle« (S. 218). Dieser »konstruktivistische Fehlschluss«, sei Ausdruck einer »Ontologisierung der Empfindung« (S. 217), die alle naturgegebenen Tatsachen leugne: Gegenstück des »naturalistischen Fehlschlusses«, des Glaubens, »dass die Natur selbst die Normen enthalte, nach denen sich menschliches Handeln zu richten habe« (S. 146). Basierte darauf jahrhundertelang patriarchalische Herrsch