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In Wien arbeitet seit 2012 ein interdisziplinäres Team an einer digitalen, historisch-kritischen »Sigmund Freud Edition« (FE), in der die gesamten Schriften neu und nach einheitlichen wissenschaftlichen Kriterien ediert werden. In diesem Rahmen wurde von Freuds »[Entwurf einer Psychologie]« aus dem Jahr 1895 eine buchstaben- und zeichengetreue Umschrift verfertigt. Diese möglichst akribisch verfertigte Umschrift wird mit den beiden deutschsprachigen, postumen Veröffentlichungen verglichen, in denen zahlreiche editorische Eingriffe vorgenommen wurden, um dieses so sperrige Manuskript für die Leserschaft aufzubereiten. Die Autorinnen gehen den Spuren der Eingriffe nach, kontrastieren sie mit der originalgetreuen »diplomatischen« Umschrift der digitalen Edition und legen eine alternative Interpretation dieser Passage vor. Schließlich werden die textkritischen Überlegungen zu dieser »Fundstelle« in Beziehung zu Freuds frühen und späteren metapsychologischen Überlegungen zur Neurosentheorie gesetzt.