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Als Patrick Mahony, der kanadische Psychoanalytiker und Literaturprofessor, 1986 in einer großen Studie über den »Rattenmann« dessen bürgerlichen Namen, Ernst Lanzer (1878-1914), erstmals mitteilte, publizierte die Exilautorin und Nichte dieses legendären Freud-Patienten, Elisabeth Freundlich (1906-2001), im selben Jahr einen Roman unter dem Titel Der Seelenvogel, in dem sie ihre eigene Familiengeschichte vor dem Hintergrund der sozialpolitischen Ereignisse zwischen 1870 und 1897, zwischen dem Wiener Hochverratsprozess gegen Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Wahl des antisemitisch gesinnten Karl Lueger zum Bürgermeister von Wien, schildert. Hans Mayer, der bekannte Germanist, zog seinerzeit den Vergleich zu den Buddenbrooks und nannte diesen Familienroman »eine Geschichte der österreichisch-jüdischen Symbiose, ein Buch der kleinen Leute, die im habsburgischen Vielvölkerstaat nach sozialem Aufstieg strebten und deren Ziel es war, auch einmal im ersten Bezirk zu wohnen. Eine Familiengeschichte also, in der in jedem Augenblick aber gegenwärtig sei, wie es zum Untergang dieser »Welt von gestern« kommen konnte« (K. Reitz: »Zeugin einer bewegten Zeit«, in: Mannheimer Morgen vom 28.4.1986, S. 25). Da Ernst Lanzer gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Feldzug gegen Russland umkam und verschollen blieb, aber auch drei seiner Schwestern 1942 von den Nazis deportiert und ermordet wurden, tritt der Roman als Erinnerungsmal an die Stelle eines Grabsteins für die an unbekannten Orten liegenden Toten, denen bislang kein Kaddisch, kein Trauergebet gesprochen wurde.
Dieser von ihm als Schlüsselroman gelesene fiktionale Text motivierte Georg Augusta, eine Biographie über Ernst Lanzer zu verfassen,
der Freud 1907 aufgrund einer schweren Zwangsneurose konsultiert hatte. Aufgewachsen in einer vom Autor schöngeredeten kleinbürgerlichen, von Parvenüstolz erfüllten Familie, zeigen Lanzers Schul- und Studienzeugnisse mäßige Leistungen. Erstmals lernen wir den