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Leser mögen sich fragen, warum die Rezension einer im weitesten Sinne germanistisch-kulturwissenschaftlichen Studie in einer psychoanalytischen Zeitschrift erscheint. Um die Antwort vorwegzunehmen: Vor allem, weil der jüdische Autor, der 1944 noch nahe eines Vernichtungslagers geborene Jakob Hessing, gegen Ende seiner Studie versucht, kritische Einwände gegen Sigmund Freuds 1906 publizierte Studie Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten zu erheben.
Zuvor freilich erhält das lesende Publikum nicht nur einen informativen Einblick in Leben und Identitätsentwurf des in Jerusalem forschenden Germanisten, sondern zugleich eine bestens nachvollziehbare Einführung in die jiddische Sprache, ihre Geschichte und ihre Verbreitung sowie ihrer bedeutendsten, hierzulande noch immer unterschätzten Autoren: Mendele Moicher Sforim (1835-1917), Scholem Aljechem (1859-1916) und Jizchok Leib Peretz (1852-1915).
Bei alledem ist der Blick Hessings allemal von Franz Kafkas Reden über den »Jargon« belehrt, eben auch der Blick eines Autors, der sich - wie Hessing - seiner eigenen Identität versichern wollte. Kam es doch durch Hessings Aufwachsen im West-Berlin der Nachkriegszeit dazu, »dass auch die deutlichste Spur meines Ursprungs sich zu verlieren begann - das Jiddische«, wie er schreibt. Entsprechend geht es Hessing in diesem Buch hier um eine liebevolle Wiederentdeckung - was sich technisch daran bemerkbar macht, dass in den ersten Kapiteln jiddische Witze und Anekdoten in meist gut verständlicher Umschrift wiedergegeben und gelegentlich etwas zu ausführlich gedeutet werden, während die im engeren Sinne literaturwissenschaftlich erläuterten Ausschnitte
aus den Werken der genannten Romanciers denn doch ins Hochdeutsche übersetzt werden.
Eine dieser von Hessing im Geiste Kafka wiedergegeben jiddischen Anekdoten handelt von einem eher unbegabten jungen Mann, für den sich von einem reichen Gönner keine andere Arbeit finden ließ als am Tor für ein üppiges Gehalt nach dem Messias Aussch