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Jeder narrative Zusammenhang konstituiert eine eigene erzählte Realität, die auf eine charakteristische, signifikante Weise nicht deckungsgleich ist mit der, von der erzählt wird. Im Rahmen eines Sprachkunstwerks stellt sich die Frage nach der Wahrheit im, am und in der Auseinandersetzung mit dem Erzählten grundsätzlich anders denn in allen anderen Kommunikationssituationen: Anders als der common sense es will, bilden literarische Texte - auch autobiographische Erzählungen - Realität niemals einfach ab, sondern bieten »eine Logik eigener Art, die Logik eines in sich motivierten Sinnzusammenhanges«, durch das Wirklichkeit und »dargestellte Wirklichkeit« in ein Verweisungsverhältnis treten, das sich als »Wahrheitsspiel« charakterisieren lässt. In dessen Vollzug eröffnen sich Perspektiven auf Erfahrung und Erkenntnis sowohl der im Text erzählten Realität als auch der lebenspraktischen Realität des Lesers, ein Panoptikum multiperspektivisch dargestellter »Interaktionsformen«. An verschiedenen autobiographischen Erzählentwürfen, insbesondere Fritz Zorns »Mars« und Lauren Slaters »Lying: A Metaphorical Memoir«, diskutiert der vorliegende Beitrag, wie die eigene Lebensgeschichte als Krankheitsgeschichte erzählt werden kann und was dabei auf welche Weise mit dem Leser geschieht. In den Blick geraten so auch allgemeinere Charakteristika und Probleme von Erinnerung, Erfahrung und Erzählung.