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Die transgenerationale Übertragung von Traumata ist gegenwärtig ein dominantes Forschungsthema in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dabei wird in den Blick genommen, dass sowohl Opfer als auch Täter und Komplizen von Massengewalt - das heißt von Genoziden, Zwangsmigration und anderen Formen von Gewalt, die auf die Auslöschung großer Menschengruppen zielt - Traumatisierung und Dehumanisierung an ihre Nachkommen weitergeben. Anders als es das Sprichwort will, heilt die Zeit diese Wunden nicht. Vielmehr ist es möglich, dass selbst Enkel, die diese Gewaltakte weder erlebt noch begangen haben, unter ihren Folgen leiden und mithin vermeintlich vergangene Konflikte die Gegenwart weiter prägen. Im Zentrum der Forschung steht meist die Frage, wie Verschwiegenes und Verdrängtes sich in der Sprache und in Handlungsmustern so manifestiert, dass es innerhalb von Familien an kommende Generationen weitergegeben wird. Die transgenerationale Übertragung der Folgen von Massengewalt ist darum ein Problem der Individualpsychologie und zugleich ein wesentliches Formungselement sozialer Diskurse, also eine Geschichtsmacht.
Paradigma von Untersuchungen zur Überlieferung von Traumata ist die Shoa, die auch in dem von Pumla Gobodo-Madikizela in der
* (Hg.): History, Trauma and Shame: Engaging the Past Through Second Generation Dialogue (Reihe »Cultural Dynamics of Social Representation«). New York ( Routledge) 2020. 234 Seiten, ca. £ 96,00.
Bei der Redaktion eingegangen am 5.11.2021.
Reihe »Cultural Dynamics of Social Representation« herausgegebenen Band History, Trauma and Shame: Engaging the Past Through Second Generation Dialogue im Zentrum steht. Acht Beiträger schildern aus autobiographischer Perspektive Gespräche zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Kindern von Opfern und Tätern bzw. Mitläufern des Nationalsozialismus, an denen sie im Rahmen des Psychotherapeutischen Arbeitskreises für Betroffene des Holocaust (PAKH) teilgenommen haben. Diese 1995 gegründ