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Vor gut zwanzig Jahren hat Jacques Derrida in seinem Buch Seelenstände der Psychoanalyse (Frankfurt/M. 2002, S. 66f.) die Erwartung ausgesprochen, dass nur die Psychoanalyse etwas zum Problem der Grausamkeit in der Geschichte sagen könnte, ohne auf politische, theologische oder andere Alibis zurückzugreifen. Die psychoanalytische Diskussion um Themen des Negativen, der Entbindung und Zerstörung ist seither, soweit ich es überblicken kann, tatsächlich reicher und breiter geworden, auch wenn sie seit den Tagen von Jenseits des Lustprinzips immer da gewesen ist, ganz besonders in der Tradition von Melanie Klein und in der französischen Psychoanalyse.
Peter Widmers Buch greift in diese Diskussion ein und präsentiert die Ergebnisse langjähriger Auseinandersetzungen des Autors mit Freud und Lacan. Sein Vorhaben ist es, mit Freud einen Destruktionstrieb zu bejahen, ihn gegen Lacans angeblichen Triebmonismus in Stellung zu bringen und doch zugleich mit Konzepten Lacans und eigenen Gedanken neu zu begründen. Wie genau geht Widmer dabei vor?
Er argumentiert vom alltäglichen Sprachgebrauch der Begriffe »Aggression« und insbesondere »Destruktion« her. Dabei umfasst die Destruktion für Widmer vom Abreißen alter Häuser und der medizinischen Ausräumung eines Tumors bis zu Kriegsgrausamkeiten und Akten der Tötung und des Suizids alles Erdenkliche. Wohl um der Falle der Beliebigkeit zu entkommen, engt Widmer sein Thema auf die »lebensfeindliche Destruktion« ein (S. 150). In ihren unterschiedlichen Phänomenen manifestiert sich seines Erachtens ein - von der Urteilskraft des Ichs unabhängiger - triebhafter Unterbau, den er als Destruktionstrieb bestimmt: