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»Wertvolle Bundesgenossen sind aber die Dichter und ihr Zeugnis ist hoch anzuschlagen, denn sie pflegen eine Menge von Dingen zwischen Himmel und Erde zu wissen, von denen sich unsere Schulweisheit noch nichts träumen läßt« (Freud 1907a, [1906], S. 33). Ein böses Spiel, das neue Buch von Claudia Erdheim, bestätigt diese fundamentale Einsicht Freuds und reiht sich mühelos in die Tradition psychologischen Erzählens ein. Die Wiener Schriftstellerin (siehe auch Erdheim 1985) verbindet tiefe Einblicke in die Seele ihrer Figuren mit feiner Erzählkunst. Und als wäre das nicht genug, ist die Psychoanalyse ein Grundpfeiler dieser Geschichte. Insgesamt bedarf der Typus des psychoanalytischen Romans einer genaueren Erforschung, Ein böses Spiel gehört aber unbedingt dazu - auch wenn die Autorin selbst mit dem schlichten Untertitel »Erzählung« einerseits dem überschaubaren Textumfang Rechnung trägt, andererseits einen universelleren, an kein bestimmtes Schema gebundenen Gültigkeitsanspruch erhebt. Zudem soll der Akzent auf dem ausdrucksstarken Haupttitel verbleiben.
Das »böse Spiel« ist der Konflikt zweier Schwestern - ein richtiges Minenfeld. Kathi und Sophie entstammen einer gehobenen bürgerlichen Wiener Familie. Nicht überraschend entzündet sich der Zwist um ihr Haus. So beginnt die Geschichte in medias res mit Kathis Absichtsbekundung: »Ich komm mit der Jessica nach Wien und verkauf das Haus« (S. 5). Worauf Sophie, die Erzählerin, sich denkt: »Das ist eine Bombe!« (S. 5) »Die Jessica« ist Kathis in Amerika aufgewachsene Tochter. Kathi, eine Ärztin, ist vor Jahren dorthin ausgewandert. Eingeklammert in die Vorgeschichte ist die Geschichte des 1908 vom Großvater gekauften Hauses, einschließlich einiger interessanter Details über Häuser und Hausverhältnisse in Wien. Erdheim zeigt am Hausverkauf, wie schnell
die Zerrüttung des Geschwisterverhältnisses vor sich geht. Der Konflikt entbrennt um mehr oder weniger wert- und belanglose Gegenstände, er hat aber tiefere Wurzeln. Hier